Es war so schön endlich einmal wieder in der Heimat zu sein. Während unseres Aufenthalts in Deutschland pendelten wir zwischen Jena und Saalfeld. Wir wollten viele Freunde und unsere Familie besuchen und so versuchten wir ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Familienbesuchen und den Treffen mit Freunden und Bekannten hinzubekommen. Dabei entstand fast eine Art von Freizeitstress, um alle „Termine“ unter einen Hut zu bekommen und nebenbei auch noch nötige Arbeiten am LKW sowie diverse Arztbesuche zu koordinieren, um die Prophylaxe am Laufen zu halten.
So hatten wir einiges zu tun und verbrachten eine gute Zeit mit vielen lieben Menschen bei etlichen Treffen sowie zu unserer großen Wiedersehensfeier. Doch unser Heimatbesuch fühlte sich auch etwas seltsam an. Irgendwie war es so, als ob wir nie wirklich weg gewesen wären. Und so gesellte sich zu all der Freude und Vertrautheit auch noch ein weiteres Gefühl. Wir waren wieder da, aber eben auch nicht so richtig. Eine wilde Mischung aus Heimweh, Willkommensfreude und Fernweh stellte sich ein. Beim Vorbeifahren an unserer alten Wohnung fühlte sich die Tatsache, dass dort nun jemand anderes wohnt, mehr als befremdlich an. Uns wurde in dem Moment auch noch einmal vor Augen geführt, was wir alles aufgegeben haben…
Als wir in der Nähe unserer alten Wohnung standen, wurde unser Fahrzeug dann direkt von Milas ehemaligen Klassenkameraden wiedererkannt. Es folgte wenig später eine überraschende Einladung für Mila zum Sportunterricht am nächsten Tag, der sie liebend gern und zur Freude aller nachkam.
Ansonsten mussten wir in der Umgebung einige Stellplätze für mehrere Wochen finden, was teilweise gar nicht so einfach war. Zudem hatten viele Freunde letztendlich gar nicht so viel Zeit wie gedacht – klar, denn deren Alltag mit all ihren Routinen und Arbeit ging ja weiter. Und wir mussten irgendwie auch die Vor- und Nachmittage in der Woche rumbekommen, wo so ziemlich jeder arbeitete. So zogen sich manche Tage dann eben doch ein bisschen hin, was unser Fernweh wieder befeuerte.
Mit einem Stellplatz, nämlich dem Kulturschlachthof in Jena, hatten wir aber großes Glück. Einer unsere Freunde organisierte, dass wir hier für ein paar Tage stehen durften. So hatten wir einen zentralen Stellplatz mit Wasser, Toilette und Dusche. Da es sich beim Kulturschlachthof e.V. um ein soziales Bündnis aus den Bereichen urbaner Jugendkultur, Theater und Musik handelt, mit jeder Menge ehrenamtlicher Unterstützung gestemmt, waren auch immer ein paar Leute bis spät abends auf dem Gelände. So war dieser Aufenthalt dann doch irgendwie ein Teil unserer Reise: wir konnten neue Sachen ausprobieren, neue Leute kennenlernen und wurden dazu direkt am ersten Tag überrascht: wir durften vor Ort die Sauna mitbenutzen. Dass es hier überhaupt eine Sauna gab, die kurz nach unserer Ankunft angeheizt wurde, war wieder einer dieser verrückten Zufälle, die wir so lieben. Nach und nach haben wir dann auch ein paar Leute aus dem Verein kennengelernt. Wir konnten die dortige Skatehalle nutzen, welche wir ab und an völlig für uns alleine hatten. Das war mega cool, denn so konnte Christian endlich mal sein Surfskate ausprobieren und Mila mit lauter Musik durch den Raum turnen. Sogar ein Vertikaltuchkurs wurde angeboten, zu dem Mila ging. Letztendlich trafen wir eine Absprache mit den Vorstandsmitgliedern und standen dann insgesamt circa 3 Wochen auf dem Gelände. Das hat unseren Aufenthalt also definitiv um einiges erleichtert und uns alle extrem bereichert. Vielen Dank dafür!!











Heimweh, Wiedersehensfreude und Fernweh machten den Aufenthalt in unserer Heimat also zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Da war die Freude alle wiederzusehen, die Wehmut, was alles aufgegeben wurde sowie die Freude und Neugier in der Vorbereitung und Auseinandersetzung mit der weiteren Reise. Und dann gab es am Ende doch auch wieder jede Menge Abschiedsschmerz. Und wie immer, lief nicht alles nach Plan. Vieles ergab sich dann doch irgendwie… genau wie das nun Folgende.
Bei einem Besuch unserer Freunde in Leipzig entwickelte sich bei Mila und Marian (Sohn der Familie, 13 Jahre) die fixe Idee, wir könnten Marian doch mit auf unsere Reise nehmen. Immerhin sind ja bald Sommerferien und „er hat noch nichts vor“. Wir sprachen dann über die Reisevorstellungen der Kinder, unseren Alltag unterwegs (der eben nicht vergleichbar mit einem 14 Tage-Camping-Urlaub ist) und die Kompatibilität mit Marian. Danach gönnten wir uns allen ein paar Tage Bedenkzeit. Außerdem stand für uns fest, dass uns unser Weg nach Rumänien führt und das „One way“ heißt – Marians Rückfahrt musste also irgendwie organisiert und umgesetzt werden. Christian fand die Idee einen temporären „Gefährten“ für Mila mitzunehmen schon länger gut, da wir genügend Sitz- und Schlafplätze haben und es bestimmt ein prägendes Erlebnis ist, Abschnittsreisegefährte bei uns zu sein. Der Reisezeitraum über die Sommerferien bot sich dafür natürlich auch super an. Nachdem wir Eltern uns gesammelt hatten, durchdachten wir das Szenario und kamen zu dem Schluss: was soll schon passieren? Im besten Fall haben alle Beteiligten eine gute Zeit, Erfahrungen werden gemacht, Neues kennengelernt und die Kinder verstehen sich gut. Für alle anderen Eventualitäten werden dann schon irgendwie spontan Lösungen gefunden. Da die Abholung durch Konrad (Marians Papa) und deren Rückweg mittels Flixbus 2,5 Wochen später umsetzbar war, starteten wir somit unsere Reise am 06.07.2026 – einen Tag nach Malous Geburtstag – zu fünft in unserem LKW.

Wir planten unseren Transit nach Rumänien in circa einer Woche, um im Anschluss noch eine Woche Aufenthalt in Rumänien zu haben. Gesagt, getan. Es folgte ein schneller Ritt durch Tschechien und die Slowakei, bis wir in Ungarn ankamen und uns erstmal drei Nächte Erholung auf einem Campingplatz an der Donau gönnten. Hier konnten wir baden, Tischtennis und Badminton spielen und uns an der Bar mit dem stets überdreht gutgelaunten, singenden Inhaber unterhalten. Wir waren Pizza essen, haben Pancakes gebacken, spontan ein Labyrinth, sowie eine Art denkmalgeschütztes Dorf im Nationalen Historischen Gedenkpark von Ópusztaszer besucht und ansonsten war die Fahrt recht unspektakulär. Wobei der Stress, den wir mit den verschiedenen Mautgeräten hatten dafür umso größer war. Ein Mautgerät pro Land. -.- Jedes Gerät musste an einer grenznahen Stadt abgeholt und eingerichtet werden. Über die Kosten wollen wir hier gar nicht schreiben… es war in der Beziehung definitiv keine gute Idee, unser Reisefahrzeug als LKW Typ N2 zuzulassen, anstatt als Wohnmobil. Aber naja.
Außerdem waren wir dann doch ziemlich von den Preisen in Ungarn überrascht. Das fing bei dem Campingplatz an, der wirklich keinen hohen Standard hatte (dafür aber 53 Euro die Nacht kostete), ging weiter beim Supermarkteinkauf, bis zum Restaurantbesuch – quasi alles war hier genauso teuer oder teurer als in Deutschland. Also low-budget Urlaub in Ungarn – das war einmal… Aber wir waren ja nur auf der Durchreise…










Am 13.07. war es dann endlich soweit: über die Stadt Arad erreichten wir Rumänien. Nach einem Einkauf (deutlich günstiger als in Ungarn, aber jetzt auch nicht so viel günstiger als in Deutschland) steuerten wir einen Campingplatz am See an. Hier konnten wir das sonnige Wetter ausgiebig genießen und die Bademöglichkeiten nutzen. Dabei kamen vor allem Mila und Marian auf einer riesen Hüpfburg im Wasser auf ihre Kosten. Ebenso konnten wir uns im SUP-fahren erproben. Nach zwei Nächten beschlossen wir weiterzufahren, als 5 Minuten vor unserer Abfahrt auf einmal ein Mann mit Kamera vor uns stand. Er sagte, er käme vom rumänischen Privatfernsehen und mache eine Doku über Camper und ob er uns denn vielleicht interviewen konnte. Ich verkrümelte mich gleich, aber Christian übernahm mutig und bekam sofort das Mikrofon angesteckt. Vor laufender Kamera sprach er über unser Fahrzeug und dessen Besonderheiten, über unsere Reise und wie so unser Alltag aussieht… Ob wir nun Berühmtheiten in Rumänien sind oder nicht konnten wir bisher nicht erfahren. Den Beitrag haben wir leider noch nicht gefunden. Falls dies noch geschieht, werden wir ihn auf jeden Fall mit euch teilen! 😉






Anschließend ging es weiter auf einen Campingplatz am Fluss. Hier konnten die Kinder im Fluss Staudämme bauen und endlich das ersehnte Lagerfeuer machen. Außerdem konnten wir Erwachsene die Kinder mit einer „Wanderung“ quälen. Hierbei handelte es sich um eine Stunde laufen durch den Wald mit leichtem Kontakt zur einheimischen Käfer- und Mückenwelt, was leider auf nicht viel Begeisterung stieß. Unser Weg führte uns über Jibou, wo wir den Botanischen Garten besuchten, weiter Richtung Baia Mare.























Nachdem sich unser erwählter Stellplatz als Reinfall herausstellte, planten wir spontan um und bekamen die rumänische Gastfreundschaft zu spüren. So durften wir auf dem Parkplatz eines Hotels/Restaurants kostenfrei übernachten und als am Abend der Anlagenbesitzer mit einer riesen Schüssel voll Himbeeren und für die Region typischen Mohnstrudel vor unserer Tür stand, war der Abendsnack perfekt! Zum Dank und aufgrund des super Wetters am nächsten Tag besuchten wir die Schwimmanlage des Hotels. Zwei Erwachsene, drei Kinder, den ganzen Tag Aufenthalt für rund 50 Euro. Wir staunten erst nicht schlecht, als wir die Eintrittspreise sahen. Immerhin glich auf dem ersten Blick alles einem deutschen Freibad, welches man in dieser Konstellation bereits für um die 20 Euro besuchen kann. Aber auch das Freibad ein paar hundert Meter weiter war nicht günstiger. Und so drückten wir aufgrund mangelnder Alternativen dann doch die 50 Euro ab und wurden immerhin mit einem beheizten Kinderbecken belohnt. Das haben dann auch alle, unabhängig von ihrem tatsächlichen Alter, ausgiebig genutzt.






Am 19.7. war es dann endlich soweit: wir trafen unsere lieb gewonnen Nachbarn Luisa, Martha und Volkmar. Die drei waren die letzten drei Wochen mit ihrem Camper in Rumänien unterwegs und da bot sich ein gemeinsames Treffen ja geradezu an. Wir trafen uns in Baia Mare an einem freien Parkplatz ein ganzes Stück von der Stadt entfernt, mitten in einem Waldstück, neben einer alten Mine. Unsere Wiedersehensfreude war riesig und wir genossen gleich ein gemeinsames Abendessen, als uns reichlich Hundegebell, aus dem Wald kommend, aufhorchen ließ. Ein großer, bäriger Mann kam mit fünf Hunden aus dem Wald auf uns zu gelaufen, wobei er einen großen Stock quer über die Schultern gelegt hatte und Rumänisch sprach. Die Situation wirkte erst einmal wenig bedrohlich. Wir verstanden, dass er eine Art „Patron“ der Mine sei und wir hier nicht schlafen können („Ihm sei das ja egal, aber sein Chef…“) und das Betreten der verlassenen Mine sei sowieso streng verboten. Christians insgeheimes Lost-Place-Abendteuer war damit vom Tisch. Es war mittlerweile schon recht spät am Abend und nun war die Frage, ob wir hier überhaupt stehen dürfen oder uns um diese Uhrzeit doch noch einen anderen Platz suchen müssen. Dann telefonierte der „Patron“ noch einmal mit seinem „Chef“ und auf einmal war das Übernachten hier doch okay, nur die Mine dürften wir nicht betreten. Soweit so gut. Wir waren zufrieden und aßen weiter. Auf dem Parkplatz hinter uns hörten wir nach ein paar Minuten eine (lautstarke) Diskussion zwischen dem Patron und einer Frau auf Rumänisch. Die Situation wurde kurios als diese Frau zu uns kam und uns hektisch erklärte, sie wolle uns unbedingt etwas mitteilen. Wir verstanden nichts. Der Internetübersetzer konnte aufgrund mangelnden Empfangs kaum helfen und so versuchten wir die super lange Nachricht der Frau gemeinschaftlich zu übersetzen. Dazu muss man wissen, dass vor der Mine noch eine kleine Andachtsstätte mit Heiligenfiguren, Kerzen, Blumen und Fotos von Minenopfern war. Es kam dann heraus, dass sie laut ihrer Aussage die Wächterin dieser kleinen Heiligen Stätte hier war, der Patron sie schon öfter bedroht hätte und wir uns bloß nicht vertreiben lassen sollten (denn für sie war unsere Anwesenheit irgendwie schon okay). Und wenn es doch Probleme gibt, sollen wir einfach die Polizei rufen. Wir bedankten uns bei ihr und beschlossen, nach ein bisschen Restverwirrung, dass wir an diesem Platz dennoch gut übernachten konnten und das Ganze wohl eher ein Konflikt zwischen den beiden zu seien schien. Nach einer ganzen Weile zogen dann alle weiter und wir konnten endlich das Feuerholz sammeln und ein Lagerfeuer machen. Unsere Nacht war dann auch ohne weitere Vorkommnisse.




Am 20.7.waren dann 14 Tage zu fünft im LKW vorbei und Konrad, Marians Vater, kam nach 21 Stunden Busfahrt in Baia Mare an. Zuvor besuchte unsere Reisegruppe noch eine berühmte Holzkirche in Surdesti. Die 1721 erbaute, griechisch-katholische Kirche war bis 2003 die höchste Kirche der Welt, die konstruktiv vollständig aus Eichenholz und ohne Metallnägel erbaut wurde. Im Anschluss daran ging es noch typisch rumänisch essen, wobei sich vor allem Christian die Speisekarte rauf und runter bestellte und am Ende noch mit einer landestypischen Palinka (zweifach gebrannter Obstbrand mit einem Alkoholgehalt von meist über 50%) abschließen wollte. Anstatt der bestellten 50cl bekamen wir dann eine kleine Karaffe voll mit Palinka. Das wir danach nicht alle blind waren, war ein Wunder. Geschmacklich konnte der Palinka jedenfalls nicht besonders punkten. Was natürlich nur meine Meinung wiederspiegelte. Christian konnten dem Getränk einiges abgewinnen und als wir Konrad noch ein paar cl mitbrachten, war er ebenfalls durchaus angetan.
Den Abend ließen wir dann noch mit einem Lagerfeuer und dem sichtlich erschöpften Konrad auf einem freien Platz auf einer großen Wiese ausklingen. Martha und Mila entschlossen sich spontan und trotz aller vorstellbarer Gefahren (Bären, Hunde, … 😉) gemeinsam im Zelt zu übernachten. Und so hatten Mila und Martha eine Abendteuer-Übernachtung, Konrad konnte ein weiches Bett im LKW erhaschen und wir mussten uns den kleinen Kabinen-Raum nicht zu sechst teilen.



















Nach einem weiteren entspannten Tag am See und einem letzten gemeinsamen Lagerfeuerabend trennten sich unsere Wege, da Luisa, Martha und Volkmar die Heimreise in Richtung Deutschland antreten mussten. Wir verabschiedeten uns (wieder einmal mit tränendem Auge), fuhren nach Baia Mare, wo wir alle Vorräte wieder auffüllten und anschließend auch Marian und Konrad am Busbahnhof verabschiedeten.






So waren unsere 16 Tage zu fünft bzw. kurzzeitig sogar zu sechst nun zu Ende. Die Zeit fühlte sich eher wie ein Urlaub und weniger wie das sonst typische Reisen für uns an, einfach auch durch die Tatsache zeitlich und auch räumlich so „verplant“ zu sein. Ebenso haben wir noch nie so viele Campingplätze angefahren wie in diesen Tagen. 😊 Das Leben zu fünft bedurfte einiger Umstellung, war aber durchaus machbar auf so wenig Raum. Eine spannende Erfahrung für uns alle, von der wir hoffen, dass jeder viel Positives mitnehmen konnte.
Für uns begann nun das „eigentliche Reisen“ zu viert…





















































































