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Sella Teil 1 – (28.1.2026 – 20.2.2026)

Von unserem letzten Besuch in Sella Anfang des Jahres 2020 konnten wir uns noch ein bisschen an den Weg zu Olis Haus erinnern. Dabei blieb uns die „vermeintliche Abkürzung durch das Dorf“ besonders im Kopf, welche wir uns dieses Mal natürlich ersparen wollten. Wir vereinbarten daher einen Treffpunkt am Dorfrand mit Oli, welcher uns bis zu seinem Haus, unserem neuen Stellplatz, eskortierte.

Die ersten 3/4 der Strecke bis zu Olis Grundstück waren echt OK, aber dann kamen ein paar Stellen mit tiefhängenden Ästen. Zähneknirschend fuhr Christian im Schritttempo drunter durch, mit dem Resultat, dass am Ende zwei Scheinwerfer vom Dach baumelten. Direkt an der Einfahrt vom Grundstück zeigte sich das nächste Hindernis. Ein Baum, mit viel zu tief hängenden Ästen, machte jede Weiterfahrt unmöglich. Zur Zeit unserer Ankunft besuchten zwei weitere Freunde die Familie – Katrin und „Zotti“. Nach kurzer Begutachtung der Situation lief Oli hoch zum Haus und kam mit einer Motorsäge und Zotti, als tätkräftigem Unterstützer, zurück. Dann hieß es Motorsäge an und leider mussten reichlich Äste dran glauben… eben so viele, bis wir mit unseren rund 3,80m mühelos drunter durch passten. Beim Wegräumen der Äste und Stämme ist es dann passiert: Christian rutschte ein Stamm aus der Hand und fiel ihm direkt auf den kleinen Zeh. Das fühlte sich aufgrund fehlender Stahlkappe im Schuhwerk ziemlich unangenehm an. Es war aber durchaus noch ertragbar, sodass er den LKW noch bis zum Stellplatz fahren konnte und nach erfolgreichem Abstellen seinen Zeh erstmal vergaß. Unser neuer Stellplatz war nur 50 Meter von Olis Haus entfernt und sogar eingeebnet und betoniert. Luxus pur also.

unser Stellplatz für die nächsten Wochen

Nach der ersten Aufregung begrüßten wir uns erstmal alle oben am Haus. Matilda („Tili“) hatte ihren 11. Geburtstag, der an diesem Tag nur klein in der Familie gefeiert wurde. Tili und Mila brauchten etwas Zeit um miteinander „warm“ zu werden. Aber irgendwann haben sie dank Tilis Hobby-Horses/Steckenpferden zusammengefunden. Es folgte an diesem Tag ein gemeinsames Abendessen mit Olis Freunden Katrin und Zotti sowie Oli, Antje und den beiden Kindern Max und Tili, ergänzt durch uns Vier. Es gab gutes Essen, wir redeten und blödelten rum und am Ende des Tages freute sich Tili, das Geburtstagskind, und sagte, dass ihr Geburtstagswunsch heute in Erfüllung gegangen sei: wir sind zu ihrem Geburtstag bei ihnen. 😊

Als wir am Abend zurück in den LKW gingen, meldete sich auch Christians Zeh zurück. Dieser war mittlerweile leider total blau/schwarz angelaufen und gut angeschwollen. Sicher gebrochen, so unsere Vermutung. Einen Arzt braucht man bei sowas ja nicht unbedingt aufzusuchen. Also war klar: Christian wird die nächsten Wochen wohl etwas kürzertreten müssen. So ein „mobility Detox“ passt natürlich sehr gut zum laufenden „digitalen Detoxing“ (aufgrund des immer noch defekten Smartphones, welches auch die nächsten 4 Wochen nicht repariert wurde). Folglich kommt es also entweder bald zum „Total Shutdown & Restart“ oder zum psychischen Zusammenbruch von Christian. Bleibt gespannt! 😉

In den nächsten Tagen folgte dann der angekündigte Sturm. Die erste Nacht war super. Wir dachten schon der Wetterbericht hat sich vertan, doch die zweite Nacht lehrte uns etwas anderes. Sturmböen, die gegen unseren LKW knallten, grollender Lärm, der LKW schwankte, die Möbel im LKW knarzten und das alles obwohl der Stellplatz noch relativ windgeschützt lag. Das Ergebnis dieser Nacht waren ganze 4 Stunden Schlaf. Wir mussten den LKW also für die kommende Nacht „upgraden“. Damit der LKW nicht bei jeder stärkeren Böe hin und her schwankte, stützte Christian zusammen mit Oli diesen mit ein paar Holzpfählen unter dem Fahrzeugrahmen ab. Ebenso montierten wir die Fahrräder samt Plane ab, um die Geräuschkulisse zu minimieren. Das Ergebnis überzeugte! Nach weiteren zwei bis drei Sturmnächten wurde das Wetter auch endlich wieder besser, sodass wir kleine Ausflüge mit Olli und dessen Familie machten, bei denen Mila zusammen mit den beiden Kindern am Fels klettern durfte.

Dann kam das erste Wochenende – Tilis Geburtstag im Dorf. Üblicherweise mietet man zu Geburtstagen eine Barraca (Art Clubhaus) im Dorf und es kommt die ganze Schulklasse des Kindes – plus Eltern(-teil). Erweitert durch ein paar Freunde und Verwandte kann das schnell zu einer gefühlten Großveranstaltung werden. Tili feierte gemeinsam mit einem anderen Kind aus ihrer Schule. Die Feier fand am Samstag von 17-20 Uhr statt. Es war schon stark unterschiedlich zu dem, was man so von deutschen Kindergeburtstagen kennt. Es gab eigentlich kein Programm. Einige Frauen (Mütter der Geburtstagskinder plus Helfer) fertigten über den gesamten Zeitraum ständig neue Snacks und Pizza für ein Buffet an. Die Erwachsenen saßen rum und erzählten, während die Kinder in Kleingruppen draußen im Dorf unterwegs waren und fangen spielten. Alles endete mit dem großen Finale – dem Geburtstagslied mit anschließendem Kuchenessen. Der Geburtstag endete an diesem Tag jedoch recht abrupt durch einen Stromausfall im gesamten Dorf, der durch den Sturm an diesem Tag verursacht wurde.

In der nächsten Woche folgte Olis Familie ihrem normalen Alltag, welchen wir ein bisschen begleiten durften. Vormittags ging bei uns meistens nicht viel. Ausschlafen, frühstücken, aufwaschen, ein bisschen aufräumen und schon ist es wieder Zeit zum Mittagessen. Mila nutzte die Zeit um etwas für die Schule zu machen. Hierfür zeigte sich, dass sie am besten mit einem Wochenplan für alle Fächer und Aufgaben zur eigenständigen Erarbeitung arbeiten kann.

Die Gestaltung der Nachmittage passte sich meist dem AG- und Hobby-Angebot der Familienkinder Max und Tili an. So spazierten wir mal im Dorf, fuhren mit den Rädern auf einem Pumptrack, Mila war mit Tili beim Reitunterricht, wir kauften ein, usw. In der verbliebenen Freizeit haben die Kinder meist etwas zusammen gemacht. Obwohl Max mit seinen 7 Jahren deutlich älter als Malou war, haben sie oft zusammengespielt. Hier konnten die beiden nicht genug von Christians Kuscheltier-Rollenspiele bekommen und forderten sich dieses regelmäßig ein. Oft aßen wir am Abend zusammen und gingen gegen 21 Uhr zurück in unseren LKW.

Neben den vielen kleinen Fahrten und Ausflügen besuchten wir außerdem gemeinsam einen Trampolin-/Indoor-Spielplatz „Airjump“ (in Finistrat), sowie die Stadt Benidorm. In Benidorm machten wir am Ende einen Essensstopp bei Oli’s Bekannten. Diese hatte ein englisches Fish & Chips Restaurant. Das wir in Spanien mal in einem Fish & Chips Restaurant essen gehen – damit haben wir echt nicht gerechnet. Aber ganz ohne landestypisches Essen mussten wir dann doch nicht auskommen, denn Oli hat für uns an einem Wochenende auch Paella gekocht, die wirklich super lecker war. Kulinarisch kamen wir also auf unsere Kosten.

Bällebad und Indoorspielplatz als Kleinkindbereich in der Trampolinhalle

Tili und Mila hatten zwischendurch sehr viel Freude daran, synchron die Ausgaben von ChatGPT vorzulesen oder uns Eltern zu testen, indem sie möglichst identisch „Mama“ oder andere Sachen zu uns sagten. Dies führte tatsächlich zu der ein oder anderen Verwechslung und die synchronen ChatGPT Sprachausgaben der beiden Mädels waren für alle ziemlich lustig und etwas gruselig zugleich.

Wochentags gab es dann abends öfter von den Kindern ausgewählte YouTube-Videos auf dem Fernseher zu sehen. Besonders in den ersten Wochen liefen abends ständig „The Voice Kids“ Szenen, in denen zumeist talentierten Kinder die Lieder nachsingen. Besonders „cover me in sunshine“ von Pink hat es den beiden Mädels angetan. In den kommenden Tagen und Wochen wurde das Lied ständig abgespielt und mitgesungen – ob im Auto oder mit kleinem Bluetooth-Lautsprecher durchs Dorf spazierend. Irgendwann kam die Idee auf, mal eine Videoaufnahme von ihrer Performance machen zu wollen. Christian schlug daraufhin vor, dass er doch mit seiner Kamera die Szenen aufnehmen könnte. Naja und wenn er schon dabei ist, kann er den Audio-Aufnahmeteil mithilfe von Laptop und Mikro auch gleich übernehmen. Daraus wurde dann schnell ein umfangreiches Projekt, mit einem ordentlichen Zeitaufwand und damit verbundenen Motivationshöhen und -tiefen. Aber alle Beteiligten haben es bis zum Ende durchgezogen und bestimmt viel daraus mitgenommen. Bis dato ist die Nachbearbeitung jedoch noch in vollem Gange und wir müssen mal schauen, ob wir das Videoergebnis hier online stellen dürfen.

Wir haben dann einerseits aufgrund der immer mal wieder auftretenden Unwetterwarnung bzgl. Sturm und Regen, andererseits aufgrund der vielen Unternehmungen und dem Kontakt zu Oli und seiner Familie unsere Abreise immer weiter nach hinten geschoben.  Eigentlich wollten wir ja nur für circa drei Tage bleiben und dann weiterfahren. Stattdessen haben wir in den ersten vier Wochen in Sella super viel unternommen und die Kinder hatten sehr viel Spaß zusammen…

verlassenes Haus

Es folgen noch ein paar Landschaftsaufnahmen rund um Sella 🙂

Fahrrad fahren in Valencia (25.-28.01.2026)

Valencia ist nach Madrid und Barcelona die drittgrößte Stadt Spaniens- und wir wollten sie genauer erkunden. Da sich Großstädte und unser Fahrzeug nur schwer bis gar nicht vereinbaren lassen, suchten wir uns einen Stellplatz in Albalat dels Sorells, der in rund 11 km Entfernung zur Stadt lag. Dort sollte es einen ausgebauten Radweg zwischen Stellplatz und Stadt geben, perfekt also, um mit den Rädern zu pendeln und auch innerhalb der Stadt flexibel zu sein. Wir buchten gleich 3 Nächte, um ausreichend Zeit für unsere Stadterkundung zu haben.

Kaum angekommen, fand Christian zufällig heraus, dass ein paar Dörfer weiter verschiedene Akrobatikkurse angeboten wurden. Mila wurde gleich hellhörig und bekundete großes Interesse als sie erfuhr, dass es dort tatsächlich auch einen Vertikaltuchkurs gab. Schließlich ist sie schon seit 4 Jahren mit großer Freude beim Circus Momolo am Tuch. Ein paar Mails und Whats App-Nachrichten später war klar: Mila könnte an zwei Abenden zu zwei verschiedenen Tuchkursen kommen. (1. Kurs für 7-11 Jährige, 2. Kurs für 12-16 Jährige) Und Mila wollte natürlich zu beiden! Termine geklärt und abgespeichert – wir beschlossen eine kleine Radtour zu machen.

Der Radweg war leicht zu finden und gut ausgebaut. Er führte durch kleine Dörfer, vorbei an Artischockenfeldern und Gärten. Schneller als wir eigentlich dachten, kamen wir in Valencia an. Zahlreiche Radwege durchzogen die Stadt, die sich selbst entlang von sechsspurigen Kreisverkehren schlängelten. Der Verkehr war teils unübersichtlich. Der Radweg hörte immer mal wieder plötzlich auf und wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite fortgesetzt. Kreuzungen mit gefühlt 1000 Ampeln für jede Art von Verkehrsteilnehmer, von denen sich manche an allgemeine Verkehrsregeln hielten, andere dies eher als Empfehlung ansahen (vor allem verbreitet unter den E-Scooter-Fahrern). Jede Menge Trubel und wir mittendrin…

Wir entschlossen uns das Naturkundemuseum zu besichtigen, in dem auch eine Saurierausstellung zu sehen war, was besonders Malous Interesse weckte. Doch auch Mila kam, dank dem Einsatz einer 3D-Brille, auf ihre Kosten. Diese ließ uns glauben, Dinos, 15 m große Faultiere, Urzeitpferde und Säbelzahntiger zu sehen. Interessanterweise endete der 3D-Modus der Brille mit einem Säbelzahntigerangriff, was zu einigen lustigen Schreien und erschrockenen Touristen führte. Nach unserer Museumstour fuhren wir die 11 km wieder zurück zum Stellplatz und beendeten den Tag mit einer frischen Pizza.

Tag zwei führte uns mit dem Fahrrad zum Gulliver Park im Stadtgarten des Turia im Zentrum von Valencia. Hier gab es eine gigantische Gulliver Figur, die fast 70 m lang und 9m hoch ist. Zu unserer Überraschung bestand die Oberfläche übrigens quasi vollständig aus glasfaserverstärkten Kunststoff. Rampen, Treppen und Seile ermöglichten ein Hinaufklettern und eine Vielzahl an Rutschen das wieder Hinunterkommen. Ein Spaß für Groß und Klein – zumindest solange, bis rund 5 Schulklassen kleiner Spanier das Ding stürmten. 😉

Im Anschluss ging es zur Markthalle (Mercado Central), leider waren wir schon etwas spät dran, da diese bereits 15 Uhr schloss und so konnten wir von den rund 250 verschiedenen Ständen nur noch ein paar begutachten. Für einen ersten Eindruck reichte es jedoch, wobei uns die Vielzahl an Wurst- und Fleischwaren weniger überzeugen konnten. 😉 Außerdem waren dort nach unserer Auffassung „einfach“ nur sehr viele kleine Läden, Stände und Imbissbuden, die hier dauerhaft in der Markthalle stehen. So richtig exklusive, lokale Spezialitäten konnten wir dort zumindest nicht ausmachen.

Nach zwei stärkenden Foccacias (gefüllte Fladenbrote) zum stolzen Preis von 20€ (dafür aber wirklich super lecker), radelten wir, mit zeitweise reichlich Gegenwind, zurück.

Bei diesem Video unbedingt den Ton aktivieren 🙂

Nach kurzer Verschnaufpause schwangen sich Mila und Christian erneut aufs Rad, um den gebuchten Tuchkurs zu besuchen. Christian durfte von weiterweg zusehen und Mila schwang sich eine Stunde mittels Verständigung mit Hand und Fuß am Tuch, vollführte Abfaller, bei denen der spanischen Trainerin kurz die Luft wegblieb und war am Ende des Tages zufrieden und glücklich.

Am dritten Tag beschlossen wir die Räder stehen zu lassen und stattdessen die Metró zu nehmen. Der Bahnhof lag nur rund 2 km entfernt und nach kurzem Fußmarsch dorthin und einigem Rätselraten vor dem Ticketautomaten stellte sich heraus, wie super günstig die dortigen Fahrkartenpreise sind (10er Karte für 6 €). Deutsche Bahn bitte an dieser Stelle mal ein Beispiel nehmen!! Ich ergänzte mein Lob mal durch den zusätzlichen Hinweis auf die minutiöse Pünktlichkeit der spanischen Metró.

Nach rund 20-minütiger Fahrt „über und untertage“ beendeten wir unsere Fahrt und landeten wieder direkt im Park des Turia. Also nochmal schnell über Gullivers Rutschen gerutscht (ohne die Schulklassen war es dieses Mal auch wesentlich entspannter), um dann ein paar hundert Meter weiter zum Wissenschaftsmuseum zu gelangen.

Hier verbrachten wir einige Stunden in verschiedenen Ausstellungen. Thematisch war hier von Leonardo Da Vinci, über Weltall und Astronauten, bis zur Metamorphose in der Natur alles dabei. Aber so richtig begeistert hat uns das Alles jetzt nicht. Vielleicht waren unsere Erwartungen aufgrund der vielen positiven google-Rezensionen und des architektonisch eindrucksvollen Erscheinungsbildes dieses Museums besonders hoch. Aber schon aufgrund der Größe war alles ziemlich weitläufig und man hatte den Eindruck, dass hier mindestens doppelt so viele Ausstellungen sein müssten, um den Platz bzw. Zwischenraum zu füllen. Jedenfalls – wenn man in der Stadt ist kann man das Museum schon mal besuchen, aber man verpasst jetzt auch nicht wirklich etwas, wenn man nur daran vorbeiläuft.

Da Mila unbedingt zum Tuchkurs gehen wollte, waren wir zeitlich etwas unflexibel. Auf unserer Rückfahrt hatten wir zwar Glück die Metró noch kurz vor Abfahrt zu bekommen. Doch leider verpassten wir unsere Haltestelle knapp und haben dadurch dringend benötigte Minuten wieder verloren. Mila und Christian mussten dann ziemlich schnell mit den Rädern die 15 Minuten zum Kurs fahren und kamen gerade so noch pünktlich an. Mit den größeren Mädchen im Kurs konnte sich Mila dann auch viel besser auf Englisch verständigen, sodass sie viel Spaß hatte, einige Tricks lernte und ein paar Sachen zeigen konnte.

Was unsere Radtouren anging, waren wir eigentlich schon ziemlich gut ausgestattet. Christian kaufte mir vor der Reise noch ein neues gebrauchtes Rad, dazu gab es noch einen Gepäckträger und -Taschen. Außerdem haben wir einen speziellen Kindersitz für Malou gekauft, der an Christians Rad passt und bei dem sie vorne sitzen kann. Eine kleine entscheidende Sache fehlte aber: eine Handyhalterung, um bequem per google navigieren zu können. Das holte Christian auf dem Rückweg vom Tuchkurs nach, als er zufällig an einem Radladen vorbeifuhr. Er hat es sich dann auch nicht nehmen lassen, dass Teil ein paar Kilometer weiter auf einem Pump-Track zu testen. Hier wollte er eigentlich nur ein paar geschmeidige Runden mit Mila auf dem Track fahren, aber die Hülle ist irgendwann einfach abgefallen. Nachdem Christians Telefon in den letzten zwei LKW-Ausbau-Jahren schon richtig oft runtergefallen ist, war das wohl einmal zu viel: Display gebrochen. ☹

Spoiler: das Telefon hat noch zwei Tage gut mit dem Displayschaden funktioniert – dann blieb es plötzlich dunkel und für Christian war digitales Fasten („Digital Detox“) angesagt. Das soll ja gut gegen Stress und Reizüberflutung wirken, die mentale Gesundheit stärken und helfen, den Fokus auf das reale Leben zu richten. 😊

Apropos reales Leben – nachdem wir am Anfang der Reise ausgiebig Schnee und Regen genossen haben, kam nun zunehmend starker Wind auf. Dank der Blattfedern wackelten der LKW und damit die ganze Kabine bei jedem starken Impuls. Der Effekt ist natürlich am höchsten Punkt und damit ungünstiger Weise gerade im Alkoven, besonders stark. Während man hier bei leichtem Wind sanft in den Schlaf gewogen wird, stellte sich bei Windböen ein gegenteiliger Effekt ein. Durch die entsprechende Geräuschkulisse ist es dann schon ziemlich schwierig in den Schlaf zu finden und dann auch durchzuschlafen. So ein paar Nächte mit mittelstarken Windböen hatten wir nun schon hinter uns und relativ problemlos überstanden. Allerdings wurden plötzlich in der Wettervorhersage mehrere Tage mit Sturm bzw. Sturmböen prognostiziert, wodurch das Thema nun doch zum Problem wurde. So ein knapp vier Meter hohes Reisemobil bietet schon reichlich Angriffsfläche für alle möglichen herumfliegenden Teile… und so mussten wir unsere Reiseplanung mit diesem Wetterphänomen und unserer Erwartungshaltung von Sonnenschein und 15-20°C (die wir zeitweise ja auch hatten), irgendwie in Einklang bringen.

Wir hatten eigentlich vor nach unserer Städtetour zwei Tage am Strand zu verbringen und dann einen Besuch in Sella bei Oli und seiner Familie einzulegen. Olis Familie lernten wir auf unserer Reise 2019 kennen und blieben sporadisch über die Jahre in Kontakt. Eigentlich wollten wir die letzten Jahre immer mal wieder Urlaub bei ihnen machen, aber so richtig hat es sich nicht ergeben. Nun waren für die ganze dortige Region in den kommenden Tagen Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h angesagt. Aber bei Sturm in die Berge von Sella zu flüchten; der Gedanke fühlte sich erstmal ziemlich abwegig an. Ein paar Whatsapp-Nachrichten mit Oli später und wir hatten direkt eine Einladung für den nächsten Tag, außerdem versicherte er uns, dass es „dort oben“ schon sehr heftig windig werden kann, bei Ihnen am Haus durch den Schutz der Berge aber eher weniger Wind ankommt. Für unseren Panik-Modus klang das bis dahin nur so halb beruhigend. Aber als am Abend und in der Nacht von den angesagten 90 km/h wohl nicht viel bei Olis Haus ankam, haben wir uns dann doch dazu entschieden die Fahrt nach Sella anzutreten…

PS: Zudem hatte Tili, Olis Tochter, am nächsten Tag ihren 11. Geburtstag und wir wurden hierzu herzlich eingeladen.

Hier noch ein paar Eindrücke von unterwegs in Valencia:

Endlich in Spanien…  (17.-24.01.2026)

Am 17.01. war es nun dann endlich soweit- wir überquerten die Grenze nach Spanien.

Spanien, das Land der Palmen, Mittelmeer, Berge, Sonne, Cocktails und gute Laune – oder graue Wolken und jede Menge Regen. Tja, man kann nicht alles haben.

Bei mäßig gutem Wetter überquerten wir und scheinbar auch die Regenwolken aus Frankreich die Grenze nach Spanien. Nach einer ersten, sehr regnerischen, Nacht auf einem Platz nahe Girona, führte uns unsere Stellplatzsuche nach Montbrió del Camp. Wir suchten eine Spanierin auf, die erst seit kurzem auf ihrem privaten Grundstück direkt an ihrem Haus Stellplätze anbot. Das Grundstück wurde von ihren zwei großen und auf den ersten Blick einschüchternden Hunden bewacht. Bei unserer Ankunft stellte sich heraus, dass die freundlich aussehende Frau jedoch nur Spanisch spricht und vorerst nicht so richtig wusste, was wir von ihr wollten. Ihr Übersetzungsprogramm auf dem Handy half wenig, da es lustigerweise nur spanische Texte ausgab und so oft sie auch sagte, dass es „Englisch“ übersetzen soll, dies nicht tat. Irgendwann war klar, dass wir mit unserem LKW hier stehen wollen, was zum Glück auch kein Problem war. Dank einiger Rateversuche und Tiergeräuschen bekamen wir sogar noch eine Hand voll Eier und frische Zitronen vom Baum geschenkt. Ein riesiges Trampolin im Hof lud vor allem Mila zum Turnen ein. Und auch mit den erst skeptisch wirkenden Hütehunden freundeten wir uns, zum Erstaunen der Besitzer, schnell an. Gerade die ausgiebigen Streicheleinheiten von Mila und ihre plötzlich handzahm wirkenden Hunde sorgten bei der Besitzerin für irritierte Blicke, Kopfschütteln und Lachen. Nach einer zweiten Nacht dort führte uns unsere Reise jedoch wieder weiter zu altbekannten Stränden.

Am 20.01. fuhren wir (wieder mal im Regen) nach Sant Jaume d’Enveja, einem kostenlosen Stellplatz mit Wasser-/ und Abwasserentsorgung. Wir verbrachten den Regentag mit kleineren Besorgungen und einer Menge Spielen. Auf unserer ersten Reise waren wir hier in der Region an einem zauberhaften, weiten, naturbelassenen Sandstrand namens Els Eucaliptus im Elbro-Delta, welcher sich besonders bei Christian ins Gedächtnis eingebrannt hat. Dort wollten wir unbedingt wieder hin. Gesagt getan, die Route klar, doch unterwegs standen wir vor riesigen Straßensperren, die den letzten Zufahrtsweg zum Strand versperrten. Wir suchten eine andere Route, parkten und sahen Wasser, viel Wasser. Nur leider keinen Strand mehr. Die großen Regenmengen der letzten Tage haben viele Küstengebiete des Deltas überschwemmt. Trotz vieler Versuche und verschiedener Zugangswege war an einen Strandspaziergang nicht mehr zu denken. Die Enttäuschung war groß. Kein Sand zwischen den Zehen, kein Muschelsuchen, kein über die Wellen hüpfen.

Nach einem kleinen Spaziergang auf einem Holzsteg nahe dem Strand führte unser Weg weiter nach Peniscola. Auf dem Weg dorthin hielten wir spontan an einem kleinen Stück Küste um wenigstens kurz einmal Sand unter den Füßen zu haben, doch auch hier war der Wind bereits zu stark, der Strand zu verschmutzt, sodass auch hier kein Sonne-, Strand-, Urlaubsfeeling aufkam.

Wir übernachteten auf einem „Bauernhof“. Auch hier regnete es wieder ordentlich und wir bemerkten, dass unser riesiges, durchgehendes Staufach am Heck unserer Kabine innen komplett nass war. Scheinbar schaffte es der viele Regen der letzten Tage an den Türdichtungen vorbei in die Klappen zu laufen. Mist, wie sollen wir das jetzt mal eben wieder trocken bekommen? Zumal es ja weiter regnete, ein einfaches Lüften hilft da wohl nicht mehr. Unsere Laune war also dementsprechend mies. Und die Umgebung bzw. die Tierhaltung auf unserem Hof machte es nicht besser. Wir haben schon einige schlecht gehaltene Tiere in verschiedenen Ländern gesehen, doch warum ein Bauernhof, der Stellplätze vermietet einen Strauß (ein Laufvogel in einem kleinen Gehege ohne Auslauf) benötigt, erschloss sich uns nicht. Wir lassen mal die Bilder für sich sprechen.

Am nächsten Tag suchten wir also nach einem Platz, um vor allem unsere Garage und deren Inhalt zu trocknen und mal wieder Wäsche zu waschen. Hier bot sich El Cid, ein mittelgroßer Campingplatz, in nur 8 km Entfernung an.

Nach Ankunft breiteten wir unseren gesamten Garageninhalt in unserer Parzelle aus, trockneten den Teppich, wuschen Wäsche und nutzten die Trockenzeit für einen ersten Fahrradausflug an die Promenade. Und siehe da, Sommer-/Urlaubsfeeling!! 😊

Wir besorgten uns verschiedene leckere Empanadas (gefüllte Teigtasche) und Croquetas (spanische Krokette mit verschiedenen Füllungen), turnten am Sandstrand, sammelten Muscheln, hüpften über Wellen – zumindest so lange bis Malou ins Wasser fiel und wir natürlich keine Wechselsachen dabei hatten. 😉 Herrlich!

Da unser Campingplatz völlig überlaufen und ausgebucht war, mussten wir schon nach einer Nacht weiterreisen. Wir verbrachten daraufhin zwei Tagen in Castello am Strand und mit einem Stadtspaziergang.

Danach beschlossen wir, dass wir uns als nächstes Valencia einmal näher anschauen wollen…

Die letzten Tage in Deutschland und der schnelle Ritt durch Frankreich

Mit nun wieder vollem Tank und funktionierender Standheizung blieben wir zwei Tage auf dem Campingplatz in Schellbronn. Wir nutzten die Zeit zum Duschen, Wäsche waschen und gönnten uns eine leckere Pizza beim Italiener um’s Eck. Ebenso saßen wir die angekündigten Orkanböen aus und sahen zu, wie der Schnee im Stundentakt schmolz und anschließend wieder 10 cm Neuschnee fielen.

Christian war immer noch nicht auf dem Wege der Besserung aber als wir erfuhren, dass am nächsten Tag der „Schellbronner Nachtumzug“ stattfand, welcher in einem riesigen Partyzelt nah neben unserem Campingplatz enden sollte und wir den Soundcheck der Generalprobe mitbekamen, war Bleiben keine Option.

Also… Paracetamol reingeschmissen und so fuhren wir am nächsten Tag also nach Bahlingen. Wir standen am Ende eines Gewerbegebietes in einer ruhigen Nebenstraße und blieben dort für 3 Tage.

Christians Gesundheitszustand verbesserte sich nicht wirklich. Dies und die Tatsache, dass wir hier irgendwie „festsitzen“ und nicht weiterkommen, frustrierte mich zu Beginn. Aber was soll man machen. Manche Dinge kann man nicht beeinflussen, also sitzen wir die Sache eben aus! Logistisch hätten wir einen schlechteren Ort treffen können, immerhin gab es dort einen Edeka sowie einen Spielplatz für die Kids in Laufnähe. Und als sich auch noch ein paar Sonnenstrahlen zeigten und der Schnee weggeschmolzen war, wurde alles doch ein wenig erträglicher. 😉

Am 13.01.2026 geschah dann das Wunder – Christian hatte kein Fieber mehr. Er war augenscheinlich über den Berg und so beschlossen wir weiterzufahren. Also – endlich ab nach Frankreich!! 😊

Wir fuhren die 240 km bis nach Jouhe, um dort neben einem Sportplatz zu übernachten. Hier war es recht ruhig und die Kinder konnten am nächsten Morgen den nebengelegenen Spielplatz erkunden, bevor es weitere 350 km durch Frankreich bis nach Grane ging. Dies war unsere bisher längste Tagestour und alle waren recht erschöpft. Wir sind mit dem LKW nur mit circa 75 km/h unterwegs und für so eine Strecke brauchen wir eine gefühlte Ewigkeit. Doch das Ziel lohnte sich.

Wir landeten auf einem Bio-Schweinehof mit eigenem Verarbeitungsbetrieb und vielfältigem Hofladen. Ein Trampolin, ein kleiner Spielplatz und jede Menge Platz wurden ebenfalls geboten. Wir blieben zwei Tage, um nach der langen Tour einen Tag zum Verschnaufen, Spielen und Duschen zu haben. Wir besuchten Schweine und Esel, ließen einige Euros im Hofladen (um die tierischen Produkte machten wir einen Bogen 😉) und genossen die Sonnenstrahlen.

Doch auch hier sollte sich das Wetter allmählich verschlechtern. Regen wurde angesagt und so machten wir uns auf den Weg. Wir füllten die Vorräte in einem großen Intermarché (vergleichbar mit Kaufland oder Globus) und fuhren die rund 250 km nach Béziers. Wir hielten auf einem großen Schotterparklatz direkt neben einem Wandergebiet und bereiteten unser Nachtlager vor. Gerne hätte wir ein paar Wanderwege erkundet, doch der Regen und das gebietsweise angekündigte Hochwasser motivierten uns doch die verbliebenen Kilometer in Frankreich hinter uns zu lassen und weiter in Richtung Spanien zu fahren…

Aller Anfang ist schwer

Man denkt ja immer beim zweiten Mal ist alles viel leichter!! Das gilt allerdings nicht für unseren Reisestart.

Wieder einmal haben wir es nicht geschafft vor dem Winter loszukommen. Zu viele Sachen waren noch zu erledigen. Allen voran gab es da die Probleme mit der Kraftstoffversorgung am LKW. Ständig ging er im Standgas einfach aus… und danach nur mit viel Aufwand wieder an. Manchmal lief er problemlos 15 Minuten, bis ihm ganz langsam die Puste ausging. Manchmal wurde er nur kurz gestartet – läuft, läuft, läuft. Nichtmehr. Dann war immer Entlüften angesagt… rödel, rödel, rödel… manchmal lief er dann schon wieder. Manchmal brauchte er das Ganze aber zwei bis drei Mal. Die ersten Male war es deshalb ziemlich stressig, wenn der LKW völlig überraschend in der Speditionseinfahrt unserer Miethalle ausging. Dann standen da über 7 Tonnen Altmetall in der Gegend rum, die nicht einfach so um die Ecke geschoben werden konnten.

Christian hat die letzten Wochen schon so einiges durchprobiert und erneuert, leider ohne durchschlagenden Erfolg. Deshalb war es nun an der Zeit das Problem jemandem zu übertragen, der sowas beruflich macht.

Wer allerdings die Geschichten der letzten Monate bei uns mitbekommen hat, weiß, dass Christian bei der Wahl eines Reparaturbeauftragten einfach kein Glück hat. Kein Glück ist dabei ziemlich untertrieben. Vielleicht veröffentlichen wir irgendwann mal die „unglaubliche Geschichte von Burkhard“ – der schlechtesten Entscheidung für unsere LKW Instandsetzung überhaupt.

Dieses Mal erwischte es uns nicht ganz so schlimm. In der ersten Woche ließ die Werkstatt nicht viel von sich hören. Auch nach dem fünften Anruf war dort niemand zu erreichen. Ende der Woche wollte man zurückrufen, was nicht passiert ist. Am darauffolgenden Montag dann die Nachricht: der LKW läuft wieder. Alle Leitungen nachgezogen – das war es schon. Super! Am Dienstag will Christian den LKW abholen. Er lässt sich vom Meister noch kurz zeigen, dass der LKW läuft. Quatscht noch etwas mit ihm. Dann wollte er noch wissen, wie der Diesel im Schauglas nun bei höherer Drehzahl aussieht. Der Meister setzte sich also rein und will gerade Gas geben, da klingt der LKW komisch. Christian meinte: „warte mal kurz“… da läuft der LKW plötzlich unrund und stirbt langsam ab. Darauf der Meister: „OK, da ist ja doch noch ein Problem… aber ich bin ihn doch gestern problemlos gefahren. Der lief gut. Ja, schauen wir uns an“. Ich kürze es Mal ab: am Ende dauerte es geschlagene 5 Wochen und es waren insgesamt drei Meister am Werk. Zwischenzeitlich haben sie in der Werkstatt sogar einen alten Veteranen, mit deutlich über 70 Jahren rangeholt. Woran lag es nun? Christian hatte die Dieselleitungen auf Verdacht bei einem Fachbetrieb für Hydraulikleitungen erneuern lassen. Dort wurde allerdings die alte Kraftstoffleitung einfach am Schlauchnippel abgeschnitten und dann die neue Leitung einfach über die alte gecrimpt. Und das wurde wohl nie so richtig dicht. Jedenfalls hat uns das, anstatt prognostizierten drei Tagen, am Ende fünf Wochen und jede Menge Geld und Nerven gekostet. Parallel haben wir den Auszug vorbereitet, was dieses Mal gefühlt noch mehr Arbeit war. Aber das kann auch daran liegen, dass wir durch Malou mit ihren 3 Jahren zu nicht viel kamen. Einer musste immer die Betreuung übernehmen, damit der andere Zeit zum Arbeiten hat. So kamen wir die letzten Tage dann auch echt ins Schwitzen: Wohnung streichen, Dinge aussortieren, Sachen einlagern, inserieren oder gleich ab damit zum Verschenken vor die Haustür oder als letzte Option: Wertstoffhof. Die Tage gingen nur so ins Land. Bei unserer ersten Reise hatten wir den Winter auch schon im Nacken. Dieses Mal waren wir allerdings noch später dran.

Der 16.12.2025 – was für ein Tag!

Am 16.12.2025 war es dann endlich so weit – wir übergaben unsere schöne Wohnung an unsere Nachmieter, meldeten unseren Wohnsitz in Jena ganz offiziell ab, verabschiedeten uns von unseren lieb gewonnenen Nachbarn und zogen in den LKW, der eine Straße weiter parkte.

Die ersten Tage im LKW zog es uns noch nicht in die Ferne. Wir verbrachten 2 Tage in Niedersynderstedt, um Arbeiten am Innenausbau zu beenden und noch etwas Zeit mit Freunden zu verbringen. Im Anschluss ging es für knapp zwei Wochen in unser Domizil nach Hermsdorf. Hier hatten wir in einer Halle die letzten 2 ½ Jahre den LKW umgebaut. Domizil klingt jetzt schon sehr nach Urlaub, aber das Gegenteil war der Fall. Denn es gab dort leider noch einige Arbeiten zu erledigen. Wir mussten alle Rester vom LKW Ausbau sortieren, einlagern, entsorgen oder im LKW verstauen. Alles war chaotisch vollgestellt mit Werkzeug, Schrauben, Elektroniksachen, Sachen vom Wassersystem, Dämmung, LKW Teilen, etc. pp. Parallel gab es noch Arbeiten am LKW zu erledigen, welche Christian zusätzliche Arbeit machten. Ein paar Sachen wurden bisher zwar eingebaut, aber nie so richtig auf Funktion überprüft… und gingen dann natürlich nicht wie gedacht. Außerdem haben wir am Tag des Auszuges erstmal alles nur provisorisch im LKW verteilt. Und das war viel zu viel und ohne System. In Hermsdorf musste nun zusätzlich das ganze Werkzeug usw. an Board. Also alles aus- und wieder einräumen. Euroboxen kaufen. Nochmal einräumen.

So verging Tag um Tag. Immerhin hatten wir in der Halle unbegrenzten Strom und Wasser, eine funktionierende Toilette und schützende Hallenwände. Denn mittlerweile war es wirklich kalt geworden, jeden Tag unter 0°C. In der Halle waren es meist „noch“ um die 5°C. Ein kleiner, aber signifikanter Unterschied.

Dafür hatten wir allerdings in der Umgebung nicht viele Möglichkeiten für die Kinder. Das alles machte es im zugestopften LKW nicht wirklich leicht und so sorgten der geringe Platz und die fehlenden Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen für einige stressige Momente. Zum Glück hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch unseren PKW und konnten so ab und zu Freunde und Familie besuchen. So haben wir bspw. die Weihnachtsfeiertage noch mit unserer Familie verbracht. Aber jeder Besuch war auch irgendwie mit einem kleinen oder großen Abschied verbunden. Das hatten wir von der ersten Reise auch irgendwie alles leichter in Erinnerung… Insofern waren es schon insgesamt stressige und emotionale Zeiten, die nun hinter uns liegen.

Das neue Jahre beginnt – … mit Fieber und Erbrechen

Den Jahreswechsel verbrachten wir dann auf einer Silvester-/Geburtstagsfeier von Christians Onkel in Saalfeld. Wir nutzen den Zeitpunkt und fuhren mit der Feuerwehr zum Partyort und konnten so problemlos vor Ort übernachten. Am Neujahrstag posteten wir unseren Standort an Freunde und Familie und freuten uns so über spontanen Besuch, welcher unser Mobil bestaunte und sich nach einiger Zeit unter ein paar Tränen von uns verabschiedete.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg nach Hermsdorf und als ob das Jahr nicht besser starten könnte, fing Mila noch am Abend an über Kopfschmerzen zu klagen. Nächster Tag – Mila hat Fieber, Husten, Bauchschmerzen und musste sich den ganzen Tag über mehrfach übergeben. Nichts half. Ihr Leiden war groß. Noch waren wir guter Dinge, dass das alles nicht schön aber händelbar ist. Aber, zu früh gefreut. Einen Tag später liege ich mit Husten und Fieber flach. Nichts geht mehr. Christian hat natürlich noch eine Menge im Lager zu tun, also mussten wir Malou irgendwie durch den Tag bringen. Wieder ein Tag später – Malou hat hohes Fieber und liegt ebenfalls flach. Christian ist der Einzige der wacker durchhielt! Er musste alle verbliebenen Arbeiten (Lagerplatz beräumen, Feuerwehr einräumen, PKW nach SLF bringen, Restaufgaben abarbeiten) allein wuppen – immerhin mussten wir am 05.01. das Lager auflösen. … und er hat es geschafft!

Und als der 05.01. am Kalender stand, entschlossen wir uns, unsere Reise zu starten!

Mila ging es besser. Sie schlug sich noch mit Husten und Schnupfen rum, was aber kein Vergleich zu vorher war. Malou und ich fieberten noch etwas vor uns hin, was mit dem ein oder anderen Schmerzmittel aber halbwegs erträglich war und so weite lange Strecken wollten wir ja sowieso nicht fahren.

Also starteten wir in Hermsdorf, machten einen Abstecher über Coburg, um meinen Opa noch einmal zu sehen und zu verabschieden und kamen an diesem Tag bis Kitzingen, bei Würzburg. Unser Nachtlager lag neben einem Sportplatz, war gerade und halbwegs ruhig. Aber es war kalt, sooo kalt. Bereits zur Mittagspause in Coburg brauchte die Standheizung rund eine Stunde, um die Bude wieder halbwegs warm zu bekommen. „Erfrieren“ ist eines der schlimmsten Szenarien für uns also entschlossen wir uns, die Standheizung einfach die ganze Nacht anzulassen. Es zeigt sich, das war genau richtig. Die -4 Grad konnten uns nichts anhaben. 😉

Der nächste Morgen begann für Christian mit starken Kopfschmerzen und Husten. Uns schwante Böses. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es ihn verschont hätte. Schnell schmiedeten wir den Plan noch so lange es geht rund 100km weiter zu fahren. So konnte sich die Batterie aufladen und wir einen noch ruhigeren Stellplatz finden. Gesagt getan, gegen Mittag erreichten wir Ravenstein. Wieder ein Platz neben einem Sportplatz. Die Kinder konnten diesen am Nachmittag für eine Runde Schneefußball nutzen und wurde so gleich ein bisschen „gelüftet“. Christian sackte in der Zwischenzeit zusammen. Mit voller Breitseite erwischte es ihn – an die 40°C Fieber, Kopf-/und Gliederschmerzen, Erbrechen – den ganzen Tag. Wir drei anderen vergammelten den Tag, spielten Spiele, schauten Film.

Wir blieben für zwei Nächte, mussten dann aber aufgrund geleerter Batterien weiterfahren. Christian schmiss sich also ein paar Paracetamol und wir entschlossen uns auf einen Campingplatz zu fahren, um dort weiter zu regenerieren.

Und so ging es nach Schellbronn, in der Nähe von Pforzheim. Ein überteuerter, etwas in die Jahre gekommener Platz mit kleinem italienischen Restaurant, Fitnessraum und Sauna. Wir bezahlten für zwei Nächte rund 100Euro, hatten dafür aber wenigstens unbegrenzt Strom, konnten duschen und ich nutzte diese Gelegenheit zum Wäsche waschen.

Ach ja, jetzt hab ich doch fast vergessen zu berichten, dass wir, kaum auf dem Campingplatz angekommen, keinen Sprit mehr im Tank hatten. -.-

Es lag ja reichlich Schnee. Wir machten also die Standheizung an. Doch zu unserem Erschrecken blieb sie einfach aus. Die Standheizung hat ein kürzeres Rohr, damit sie den Tank nicht leer saugen kann. Ein Blick in den Tank zeigte: da ist nicht mehr viel drin. :/

So wenig, dass Christian auch nicht mehr die 5 Minuten bis zur nächsten Tankstelle fahren wollte. Also ist Christian mit dem netten Campingplatzbetreiber und den Reservekanistern zur nächsten Tankstelle gefahren, um Diesel zu holen. Nach 20 Litern und Entlüften der Dieselleitung sprang unsere lebensrettende Standheizung dann auch wieder an. Man man man. Also der neue Tank ist mit unserer alten Tankanzeige nicht kompatibel. Man merke sich: bei halber Tankanzeige ist der Tank nicht halb voll, sondern so gut wie leer.

Corona-Krise in Portugal (16.3.-15.4.2020)

Angekommen in Portugal wurden wir von stürmischem und eher kühlem Wetter begrüßt. Die Temperaturen bewegten sich zwischen 15-20°C und so vermissten wir das sommerliche Wetter Marokkos sehr.

Die ersten 3 Tage verbrachten wir bei Tavira auf einem freien Platz in der Nähe vom Strand. Es war ein relativ großer Platz, auf dem um die 30 Wohnmobile (größtenteils von Menschen im höheren Alter) standen. Das Wetter lud leider nicht sonderlich zum Strandspaziergang ein. Dafür trafen wir jedoch einige bekannte Gesichter aus Motril wieder und tauschten uns vor allem über die derzeitige und kommende Lage bzgl. der Corona-Maßnahmen aus. Die Meisten waren relativ optimistisch, dass im links-liberalen Portugal keine großen Einschränkungen zu befürchten seien. Gerade aus Marokko „entkommen“ waren wir da natürlich anderer Meinung und erwarteten durchaus, dass das Reisen in Portugal früher oder später auch nur noch eingeschränkt möglich sein würde. In den ersten Tagen war davon aber noch nichts zu spüren. Die Restaurants und Läden waren nach wie vor geöffnet, einzig die Schlange vor den Supermärkten machte auf die Situation aufmerksam. Wir entschieden uns dennoch zeitnah einen anderen Stellplatz anzufahren, der nicht so gut besucht ist. Unsere Wahl fiel auf einen freien Platz am Strand von Portimao. Dort war die Versorgung durch diverse Supermärkte gesichert und der Platz war viel kleiner.

Wir verbrachten dort etwa 7 Tage, mit zeitweise bis zu 5 anderen Campern. Kontakt hatten wir vor allem zu einem jungen belgischen Paar mit Hund („Upsi“, ein Berner Sennenhund-Colli-Mischling, den Mila sofort in ihr Herz geschlossen hat) und einem dänisch-deutschen Paar mit Kind in Milas Alter. Neben einigen Gesprächen mit den Campern unternahmen wir noch ein paar Ausflüge zum Ozean bei teils gutem, teils wolkigem Wetter. Für alle, denen unsere Sonnenschein-Bestwetter-Fotos schon zum Halse raushängen, gibt es zu Abwechslung mal ein paar Fotos bei nicht so gutem Wetter.

Ansonsten ging an uns die Informationslage zu COVID-19 natürlich nicht vorüber. Die Nachrichten waren voll mit Beiträgen, wir waren also immer bestens zur Situation in Deutschland informiert. Hinzu kam unser ganzes „Reisenetzwerk“ zur Lage in Spanien und Marokko. Nach und nach wurde uns bewusst, dass wir wohl nicht mehr weiterreisen können. Selbst hier in Portugal, wo zu diesem Zeitpunkt die Maßnahmen noch äußerst moderat waren und noch freizügiger umgesetzt wurden, war die Schließung aller Restaurants, Museen und touristischen Einrichtungen nur noch eine Frage der Zeit. Die Grenzen der meisten Länder wurden geschlossen. Außerdem merkte man schon innerhalb der wenigen Tage auf dem Stellplatz, dass viele Camper nach und nach abreisten und nur noch wenige hinzukamen. Einige isolierten sich in ihrem Wohnwagen und traten kaum vor die Tür. Schon zu diesem Zeitpunkt merkte man die soziale Distanzierung, selbst unter den Campern, deutlich. Letztendlich besteht so eine Reise, abgesehen von den Eindrücken aus der Natur, gerade aus dem Kontakt zu anderen Reisenden und der lokalen Bevölkerung. Und natürlich aus der Bewegungsfreiheit – sich bspw. jederzeit einen neuen Stellplatz suchen zu können. Das alles war nun nicht mehr wirklich möglich und vor allem wurden die Aussichten auf eine Eindämmung der Pandemie immer schlechter. Am 22.3. wurde dann in Portugal bekannt gegeben, dass innerhalb von 5 Tagen alle Camping- und Caravaning-Parks geschlossen werden. Für uns war damit klar, dass das „Parken“ auf den verbleibenden freien Stellplätzen auch nach und nach immer kritischer gesehen wird.

Wir suchten uns also einen Stellplatz auf privatem Land, um uns nicht auch noch mit den Behörden rumschlagen zu müssen. Wir fanden einen netten Platz etwas im Inland in der Nähe von Marmelete. Der Platz wurde mit Genehmigung des englischen Eigentümers von Alex (einem Mitte 20 jährigen Deutschen) genutzt, der dort mit seinem Wohnwagen campierte bzw. wohnte. Da sich der Platz weit entfernt von der nächsten Stadt, also mitten im Grünen befand, füllten wir vor Abfahrt nochmals unsere Vorräte. Hier waren wir dann schließlich für circa 2-3 Wochen und nutzten die Zeit im Freien u.A. zum Staudammbau am Bach, Lagerfeuerabenden, Parcour bauen, Slacklinen, unserem Tippi-Bau und Fangenspielen.


Hier gibts ein Panorama vom Stellplatz inkl. Tippi: Klick!

Das sehr wechselhafte Aprilwetter mit reichlich Regen drückte ab und an die Stimmung, ebenso die nächtliche Lärmbelästungung durch ein paar Techno-Partys (trotz Corona) gleich um die Ecke. Unsere geplatzten Reiseaussichten leisteten hierzu natürlich auch ihren Beitrag.

Und so versuchten wir unser Leben neu zu sortieren und spielten alle möglichen Szenarien durch. Denn klar war, dass wir die Situation in Portugal nicht ewig aussitzen können. Letztendlich waren wir hier auch total isoliert und mit ähnlichen Maßnahmen wie in Deutschland konfrontiert. Nicht mal das Wetter war wirklich besser. Außerdem gab es keine Perspektive mehr in den nächsten Monaten noch irgendwohin reisen zu können. Insofern wurde unserer Reise durch das Corona-Virus bereits unlängst beendet. Die Frage war nur, wann wir zurück nach Deutschland fahren und wie wir dort weitermachen wollen oder können. Wir haben unsere Arbeit und Wohnung gekündigt und die Aussichten Mitten in dieser Krise wieder sesshaft werden zu können, waren nicht gerade rosig. Außerdem wollten wir uns dem ganzen Themenkomplex „Rückkehr nach Deutschland“ eigentlich erst in weiter Zukunft stellen. Die Reise sollte ja bewusst offen sein, inklusive eventuell neuem Lebensmittelpunkt. Diese unstete Zeit machte es uns jetzt schwierig bis unmöglich irgendetwas konkret planen zu können. Klar war, dass wir uns mit der Rückkehr nach Deutschland allein wegen der Krankenversicherung dort anmelden müssen. Dann werden wir direkt mit Milas Schulpflicht konfrontiert. Weiterhin kamen wir zu dem Entschluss, dass wir keine kurzzeitige Rückkehr wollen, um dann in 6-12 Monaten neu zu starten. Der Abschied von Wohnung, Job, Kita und vor allem Freunden und Familie war kräftezehrend und ist uns nicht gerade leicht gefallen. Zudem waren die Reisevorbereitung, der Auszug und die ganzen Abmeldungen usw. mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Es kostete uns so unglaublich viel Energie, bis wir endlich bereit waren unsere Reise zu starten und loszufahren. Das alles nun rückgängig zu machen, nur um dann nach X-Monaten direkt nochmal zu starten, konnten wir uns nicht vorstellen. Außerdem war total unklar, wie lange sich die Reisebeschränkungen hinziehen und wie sehr jetzt ein negatives Bild des Touristen vorherrscht. Denn wir ernteten schon an unseren letzten Tagen in Marokko ein paar Corona-Kommentare von den Einheimischen, die noch so halb lustig, halb ernst gemeint waren. Von anderen Reisenden erfuhren wir Tage später, dass die Stimmung ziemlich kippte und die Touristen vermehrt als „Corona-Einschlepper“ stigmatisiert wurden.

Als wären unsere Aussichten nicht schon trübe genug, wurde am 6.4. eine 14-tägige Quarantäne für Rückreisende nach Deutschland beschlossen. Damit war klar, dass wir uns mit der Rückkehr nach Deutschland 2 Wochen irgendwo einschließen müssen. Wir dürfen davor nicht einkaufen gehen (jemand muss uns also die Lebensmittel vor die Tür stellen, sollten wir etwas brauchen) und uns mit niemanden treffen, ansonsten drohen horrende Bußgelder. Zum Glück hat Christians Vater eine möblierte Wohnung, welche er eigentlich nicht mehr nutzt. Hier können (oder vielmehr: müssen) wir die zwei Wochen also irgendwie aussitzen.

Und so machten wir uns am 15.04. schließlich mit ein paar Ideen, aber ohne konkreten Plan wie es weitergeht auf die Rückreise nach Deutschland.

Das überraschende Ende unserer Marokkoreise (12.- 15.3. 2020)

Am 12.03. kamen wir nach zwei anstrengenden Tagesfahrten aus der Wüste zurück in Azrou an. Diesmal stellten wir uns mit dem LKW direkt im Zedern-Wald bei den frei lebenden Berber-Affen ab. Wir entschlossen uns an diesem Platz ein paar Nächte zu stehen, um uns von den letzten 390 km Fahrtstrecke zu erholen. Der Wald bot uns die dazu nötige Ruhe und die Affen das Bespaßungsangebot. Außerdem gab es genügend Möglichkeiten für Spaziergänge und Christian konnte mal wieder die Slack-Line spannen.

Am Abend des nächsten Tages (13.03.) trafen zwei deutsche Mädels (so Anfang 20) in ihrem VW-Transporter auf dem Stellplatz ein. Wir begrüßten uns, wechselten ein paar Worte und waren froh über die Gesellschaft. Gegen 22 Uhr klopfte es dann an unserer LKW-Tür und Noreen betrat etwas aufgelöst den Raum und kam gleich zur Sache: „Marokko hat die Grenze geschlossen!“. Wir versuchten irgendwie an aussagekräftige Informationen zu gelangen, doch das gestaltete sich auch auf offiziellen Behördenseiten mehr als schwierig. In einer ersten Hysterie überlegten wir was auf uns zukommen könnte. Zu dem Zeitpunkt war an Ausgangssperre oder Schließungen öffentlicher Plätze noch nicht zu denken, denn Marokko hatte gerade vier Corona-Fälle im gesamten Land. Im schlimmsten Fall war es für uns eine unabsehbare Zeit, die wir im fremden Land Marokko verbringen müssten. Trotzdem fühlte es sich wie „gefangen sein“ an und auch die Mädels schienen, nicht zuletzt angefeuert durch Nachrichten von Familie und Freunden, stark verunsichert. Wir hatten aber gleich die Idee, dass die Häfen Marokkos zwar geschlossen sind, dieser Beschluss aber nicht für die spanische Enklave „Ceuta“ gelten könnte. Denn die zum afrikanischen Kontinent gehörige Stadt ist Teil des spanischen Festlands. Hieße also, schafft man es über die Grenze nach Ceuta ist man bereits in Spanien und damit auf EU-Gebiet ohne jemals eine Fähre betreten haben zu müssen. Allerdings gibt es viele Berichte, dass immer wieder Flüchtlinge an/unter/auf Fahrzeugen versuchen dort über die Grenze nach Spanien zu kommen (und wir haben schon in Tanger unsere traumatischen Erfahrungen damit gemacht). Nach langem Hin und Her entschlossen wir uns trotzdem direkt am nächsten Morgen nach Ceuta zu fahren. Auch weil wir hofften, einen Informations-Vorsprung zu haben. Wir stellten uns schon die panikartige Flucht von tausenden Campern vor, die dann alle diese eine Grenzstation ansteuern würden. Wir hatten nun zu allem Überfluss eine circa 360 Kilometer lange, schlecht ausgebaute Landstraße quer durch das Atlas Gebirge (genauer Mittlerer-Atlas und Rif) vor uns.

Die beiden Mädels starteten am nächsten Morgen vor uns und bildeten damit quasi unsere Vorhut. Mit ihrem Transporter waren sie zudem auch etwas schneller als wir unterwegs. Nach ungefähr 250 km ungemütlicher Fahrt über die N13 erreichte uns die Nachricht der Mädels: „Wir kehren um. Es macht keinen Sinn. Nach Aussagen verschiedener Behörden, Fährbüros, etc. ist auch Ceuta dicht.“. Stopp. Anhalten, verarbeiten, nachdenken.

Wir überlegten uns einen gemeinsamen Treffpunkt und wählten dafür einen freien Stellplatz in der Nähe von Chefchaouen. Hier konnten wir und die Mädels erst einmal zur Ruhe kommen, die Situation verarbeiten und weitere Schritte planen. Mit jeder Stunde und mit jeder hinzukommenden Information fuhren unsere Gefühle Achterbahn. Einige stetig kreisende Gedanken hierzu: „Kacke, wir stecken hier fest! Wir kommen hier nicht weg!“ „Ach, wird schon nicht so schlimm. Wir suchen uns einen Campingplatz und machen das Beste draus!“ „Ausgangssperren können die hier sowieso nicht durchsetzen! Wegen vier Corona Fällen… Es wird sicher alles so bleiben wie bisher!“ „Dann igeln wir uns hier im Wald ein, da bleiben wir wenigstens gesund!“ „Wenn wir hier krank werden, ist die Versorgung sicher total primitiv!“ „Das Risiko mangelnder Gesundheitsversorgung hat man bei Reisen immer, daran ändert sich nichts.“ „Lieber in europäische Quarantäne als hier in Marokko!“  … Das Gedankenkarussell nahm kein Ende. Wir schmiedeten Pläne, welche zwei Stunden später wieder über Bord geworfen wurden. Dann gab es wieder eine neue Information, dann dasselbe Spiel von vorn. Schrecklich. Und immer wieder mussten wir feststellen wie schwer es war an aussagekräftige, bindende Informationen zu gelangen. Die Deutsche Botschaft und das Auswärtige Amt hingen komplett hinterher. Wir kamen letztendlich zu dem Entschluss, dass es bei der Informationslage keinen Sinn macht weiter in Richtung Ceuta zu fahren. Wir hörten davon, dass bereits zu diesem Zeitpunkt rund 1000 Camper auf dieser Landzunge und auf den Straßen vor der Grenze standen und versuchten noch irgendwie Marokko zu verlassen. Die Lage war unüberschaubar und eine Verbesserung der Situation war vorerst nicht in Sicht. Wir blieben so insgesamt zwei Nächte in Chefchaouen. An unserem Stellplatz kamen hin und wieder ein paar Einheimische mit ihren Viehherden vorbei. Wir spielten mit Mila, machten mit den Mädels Lagerfeuer, spannten die Slackline und verbrachten so unsere Zeit zwischen den stündlichen Informationsupdates.

An sich hatten wir mit Noreen und Anna eine nette Zeit an einem relativ ruhigen Ort.

Und auch Mila hatte mit den beiden ihren Spaß beim Pferde-Spielen, Hindernis-Parcours und Tanzen. Insofern konnten wir uns durchaus mit dem Gedanken anfreunden ein paar gemeinsame Wochen hier in Marokko mit den beiden „festzustecken“. Am Abend des 14.03. kam allerdings vom Auswärtigen Amt die Information, dass es nun doch wieder möglich sei über Ceuta nach Spanien auszureisen. Die Lage kann sich aber stündlich ändern und es war fraglich, wie lange das Ganze noch so wäre. Außerdem hat Spanien per Dekret beschlossen am 16.03., um 8:00 Uhr seine Landesgrenzen dicht zu machen und eine Ausganssperre zu verhängen. Anfangs war unklar, ob ein Transit durch Spanien für Noreen und Anna möglich wäre. Also stand die Idee im Raum noch schnell bis nach Portugal zu gelangen, um dort die Situation gemeinsam auszusitzen. Im spanischem Dekret wurde dann aber die Durchreise zum Zweck der Rückkehr nach Deutschland erlaubt. Wir wägten also wieder einmal ab und fassten den Entschluss am nächsten Tag den Ausreiseversuch zu starten. Damit war klar, dass sich unsere Wege trennen, denn wir wollten weiter nach Portugal fahren und die Mädels nach Deutschland.

Noreen und Anna konnten im Vorfeld online ein Fährticket reservieren und machten sich wieder als Vorhut auf den Weg. Uns war dies nicht möglich, da wir nicht herausfinden konnten welche Rederei unser Fahrzeug aufgrund der Fahrzeughöhe (3,5 Meter) überhaupt transportieren kann. Wir fuhren also am 15.03. gegen 8:00 Uhr mit einem mulmigen Gefühl die letzten 130 km durch Marokko zur spanischen Grenze nach Ceuta und beteten zum einen keinem Flüchtling zu begegnen und zum anderen über die Grenze zu kommen, ein Fährticket kaufen zu können und innerhalb kurzer Wartezeit eine Fähre aufs spanische Festland zu bekommen. Zwischenzeitlich erhielten wir die Nachricht der beiden Mädels, welche es mittlerweile nach kurzer Wartezeit über die Grenze nach Ceuta geschafft haben. Ein erstes Aufatmen unsererseits. Kurz vor dem Grenzpunkt wieder einmal ein Kreisverkehr und eine kleine Gruppe marokkanischer Männer, diesmal im Alter von Anfang – Mitte 20. Sie schauten sich an einem Zebrastreifen verharrend sehr verdächtig um und nahmen bereits Anlauf um auf das vor uns fahrende Wohnmobil zu gelangen. Dieser Versuch scheiterte jedoch. Auch wir achteten diesmal darauf nicht zu langsam zu fahren oder gar zum Stehen zu kommen und konnten somit verhindern, dass einem der Männer das Aufspringen gelang. Danach mussten wir nur wenige 100 m weiterfahren und erreichten gegen 10:30 Uhr den Grenzpunkt. Die Schlange wartender Reisemobile war relativ kurz und wir konnten nach circa einer Stunde Wartezeit und einer ausführlichen Zollkontrolle passieren. Einatmen, ausatmen. Wir hatten die ersten beiden Hürden genommen. Nun waren wir also auf spanischem Land und hielten an einer Tankstelle um zu tanken. Kaum standen wir, versuchten zwei Jugendliche erneut auf unseren LKW zu klettern, wurden jedoch von der Kassiererin der Tankstelle gesehen und mit einer Lautsprecherdurchsage von ihrem Vorhaben abgehalten. Wir nutzen die Tankstelle kurzerhand als bewachte „Parkmöglichkeit“ und Christian besorgte in einem der vielen kleinen Redereibüros Tickets für unsere Fähre. Auch dies klappte einwandfrei, nur eine Wartezeit von circa 3 Stunden mussten wir in Kauf nehmen. Wir reihten uns im Anschluss am Fährschalter unserer Rederei ein und warteten. Wir nutzen die Zeit zur Zubereitung eines kleinen Mittagessens. Auch konnten wir uns mit einigen anderen deutschen Wartenden unterhalten und deren Einschätzung der Situation sowie weitere Reisepläne besprechen. Als wir dann letztendlich gegen 15 Uhr in der Fähre saßen und über das Mittelmeer schipperten, fiel mir auf jeden Fall ein riesiger Stein vom Herzen.

Angekommen in Spanien war unsere Fahrt für diesen Tag noch nicht zu Ende. Wir wollten es noch vor der Ausgangssperre und Grenzschließung nach Portugal schaffen. Wir hatten also nochmals gut 300 Kilometer bis zur portugiesischen Grenze vor uns. Kurz vor 22 Uhr überquerten wir bei Castro Marim die spanisch-portugiesische Grenze – ganz ohne Kontrolle oder irgendwelchen Schwierigkeiten. Geschafft! Fix und fertig erreichten wir einen Stellplatz kurz hinter der Grenze und realisierten langsam was an diesem Tag alles geschah.

Die Wüste ruft – Erg Chebbi (06.-11.03.)

Nach langem Hin und Her hatten wir uns entschlossen die Riesentour von 390 km (einfache Strecke) auf uns zu nehmen und in die Wüste nach Merzouga zu fahren. Marokko ist landschaftlich sehr abwechslungsreich und wir wollten das vermutlich Eindrucksvollste, die Wüste, nicht verpassen. Wir verbrachten die 390 km auf teils guten, teils schlecht ausgebauten Landstraßen quer durch das Atlas-Gebirge bei durchschnittlich wahrscheinlich eher unter 50 km/h.

Da wir so langsam vorankamen haben wir uns auf dreiviertel der Strecke für eine Übernachtung auf einem Campingplatz entschieden, um am nächsten Tag erholt anzukommen.

Es folgen ein paar Eindrücke der Fahrt…

unser Campingplatz lag in dieser Oase

Und dann war es soweit. Wir kamen in der Wüste Erg Chebbi an. Wir standen frei an einem Platz direkt zwischen zwei Dünen. Keine Menschenseele weit und breit.

LKW Suchbild 🙂

Wir zogen unsere Schuhe aus und bestiegen sofort die ersten Dünen. Super weicher, körperwarmer Sand strich uns um die Zehen. Wer noch nie in der Wüste war und sich jetzt fragt, was (außer der beeindruckenden Farbe des Sandes) daran so besonders ist, dem spendieren wir hier folgend noch eine zusätzliche Beschreibung. Es ist einfach ein Erlebnis sich in einer eigentlich so lebensfeindlichen Umgebung zu bewegen. Die Luft war extrem trocken, denn es hat dort über 2 Jahre nicht geregnet. Die Lufttemperatur bewegte sich bis circa 25°C, aber die Sonne war extrem heiß, sodass es uns zeitweise wirklich sehr viel wärmer vorkam. Teilweise heizte das den Sand so sehr auf, dass man ihn Barfuß nicht mehr begehen konnte. Erg Chebbi sieht ansonsten von weitem relativ übersichtlich aus. Es liegt da wie ein großes Softeis mitten in der sonst trostlosen Landschaft. Das Zentrum bilden riesige Sanddünen, welche bis circa 150 Meter hoch sind. Der Sand ist wirklich unglaublich fein. Manche schreiben, er wäre wie Puderzucker, aber das finde ich übertrieben. Er ist vergleichbar mit sehr feinem Strand-Sand oder feinstem Sand aus einer Sandgrube. Der große Unterschied diesbezüglich ist, dass der Sand der Wüste wie komplett gesiebt ist. Außerdem kennt man es vom Strand – man gräbt nur ein paar Zentimeter und schon wird der Sand feucht und die Haptik ändert sich dementsprechend. Der Wüstensand stattdessen ist komplett durchgetrocknet und bleib schön sanft rieselig. Das gibt auch interessante Effekte beim Loch graben; jetzt aber weiter im Text. 🙂

Die Wüste ist ein Traum … und diese Ruhe. Man hört einfach nichts. Totale Stille. Wir beschlossen uns die Ruhe und Entspannung zu gönnen und blieben mehrere Nächte. Wir vertrieben uns die Zeit mit Dünenspringen und/oder –rollen, Dromedarbeobachtungen sowie einer gut 2,5 stündigen Dünenwanderung zur höchsten Düne. Von Weitem sieht sie ganz nah aus, doch der Schein trügt. Es liegen viele kleinere Dünen dazwischen und ständig geht es auf und ab, ehe man überhaupt in die Nähe kommt. Außerdem ist der fehlende Kontrast zwischen den verschiedenen Dünen trügerisch. Das macht auch die Routenfindung für den Aufstieg schwierig. Dafür wurden wir mit einem phantastischen Ausblick belohnt.

Und dann sollten wir doch noch Bekanntschaft mit einem „Verkäufer“ machen. Hassan, ein Nomade der Wüste gesellte sich zu uns, legte sich neben uns auf den Sand und plauderte in einfachem Deutsch mit uns. Er erzählte über das Wüstenleben und die Touristen. Ein sehr sympathischer Zeitgenosse! Am Ende packte er aus seinem Rucksack viele kleine in Zeitungspapier gewickelte Souvenirs aus, die er uns unverbindlich zeigte. Ein paar Fossilien, Tücher, Ketten und anderer Schmuck. Wir betrachteten alles, konnten die ein oder andere Sache „testen“ und hatten so unseren Spaß. Und ja…dann ließ ich mich eben doch hinreißen einen Armreif zu kaufen. Christian bekam von ihm ganz nebenbei seinen Wüstennamen „Ali-Baba“, denn obwohl er sich mit seinem Vornamen vorstellte, wurde er ständig von Hassan so genannt. Selbst am nächsten Tag begrüßte er ihn von weitem mit „Hey, Ali-Baba“.

Außerdem bekamen wir zwischenzeitlich noch Gesellschaft von einer Dresdner-Familie mit zwei Kindern. Mila verstand sich mit den beiden blonden Mädels (8 und 10 Jahre alt) gut und so spielten sie zusammen im Sand mit ihren Schleich-Pferden. Wir Erwachsene lernten uns in unterschiedlichen Gesprächen besser kennen, die sich wieder um allerhand Systemkritik drehten. Selbst Christian, der sonst gerne Diskussionen zu politisch-wirtschaftlichen Themen führt, stieg irgendwann aus. Anscheinend waren die Dresdner unter anderem sowas wie „Selbstverwalter“, aber so ganz durchgestiegen sind wir da nicht. Jedenfalls waren die Themen wieder stark von Angst geprägt, die Dresdner sonst aber eigentlich wirklich nett. Umso erstaunter waren wir, als die beiden einen Tag später die 3 stündige Wüstenbegehung ohne ihre Töchter machten. Wir starteten früher und sahen sie unterwegs von weitem. Wir wunderten uns schon, wo denn die Kids blieben. Als wir circa eine Stunde früher als sie unten wieder ankamen, sahen wir die beiden Mädels dann völlig allein vor dem LKW spielen. Sie hatten auf die Wüstenwanderung keine Lust und so zogen ihre Eltern allein von dannen. Klar sind die Kinder alt genug… Aber das muss man erstmal verstehen –  all seine Ängste und Sorgen auf das böse „System“ projizieren und hier gleichzeitig völliges Vertrauen in diese Situation („was soll da schon passieren, die Marokkaner sind alle so nett“) zu haben. Passiert ist tatsächlich nichts, aber diese Risikowahrnehmung gibt einem schon zu denken…

Nach den eindrucksvollen Erfahrungen im Sand wurde es Zeit den Rückweg anzutreten…

Zum Abschluss des Beitrags findet ihr untenstehend noch die Wüste bei Nacht und zwei interaktive Panoramas von der Hauptdüne. Viel Spaß damit!

Panoramas von der Düne

Panorama Wüste Nummer 1

Panorama Wüste Nummer 2