Corona-Krise in Portugal (16.3.-15.4.2020)

Angekommen in Portugal wurden wir von stürmischem und eher kühlem Wetter begrüßt. Die Temperaturen bewegten sich zwischen 15-20°C und so vermissten wir das sommerliche Wetter Marokkos sehr.

Die ersten 3 Tage verbrachten wir bei Tavira auf einem freien Platz in der Nähe vom Strand. Es war ein relativ großer Platz, auf dem um die 30 Wohnmobile (größtenteils von Menschen im höheren Alter) standen. Das Wetter lud leider nicht sonderlich zum Strandspaziergang ein. Dafür trafen wir jedoch einige bekannte Gesichter aus Motril wieder und tauschten uns vor allem über die derzeitige und kommende Lage bzgl. der Corona-Maßnahmen aus. Die Meisten waren relativ optimistisch, dass im links-liberalen Portugal keine großen Einschränkungen zu befürchten seien. Gerade aus Marokko „entkommen“ waren wir da natürlich anderer Meinung und erwarteten durchaus, dass das Reisen in Portugal früher oder später auch nur noch eingeschränkt möglich sein würde. In den ersten Tagen war davon aber noch nichts zu spüren. Die Restaurants und Läden waren nach wie vor geöffnet, einzig die Schlange vor den Supermärkten machte auf die Situation aufmerksam. Wir entschieden uns dennoch zeitnah einen anderen Stellplatz anzufahren, der nicht so gut besucht ist. Unsere Wahl fiel auf einen freien Platz am Strand von Portimao. Dort war die Versorgung durch diverse Supermärkte gesichert und der Platz war viel kleiner.

Wir verbrachten dort etwa 7 Tage, mit zeitweise bis zu 5 anderen Campern. Kontakt hatten wir vor allem zu einem jungen belgischen Paar mit Hund („Upsi“, ein Berner Sennenhund-Colli-Mischling, den Mila sofort in ihr Herz geschlossen hat) und einem dänisch-deutschen Paar mit Kind in Milas Alter. Neben einigen Gesprächen mit den Campern unternahmen wir noch ein paar Ausflüge zum Ozean bei teils gutem, teils wolkigem Wetter. Für alle, denen unsere Sonnenschein-Bestwetter-Fotos schon zum Halse raushängen, gibt es zu Abwechslung mal ein paar Fotos bei nicht so gutem Wetter.

Ansonsten ging an uns die Informationslage zu COVID-19 natürlich nicht vorüber. Die Nachrichten waren voll mit Beiträgen, wir waren also immer bestens zur Situation in Deutschland informiert. Hinzu kam unser ganzes „Reisenetzwerk“ zur Lage in Spanien und Marokko. Nach und nach wurde uns bewusst, dass wir wohl nicht mehr weiterreisen können. Selbst hier in Portugal, wo zu diesem Zeitpunkt die Maßnahmen noch äußerst moderat waren und noch freizügiger umgesetzt wurden, war die Schließung aller Restaurants, Museen und touristischen Einrichtungen nur noch eine Frage der Zeit. Die Grenzen der meisten Länder wurden geschlossen. Außerdem merkte man schon innerhalb der wenigen Tage auf dem Stellplatz, dass viele Camper nach und nach abreisten und nur noch wenige hinzukamen. Einige isolierten sich in ihrem Wohnwagen und traten kaum vor die Tür. Schon zu diesem Zeitpunkt merkte man die soziale Distanzierung, selbst unter den Campern, deutlich. Letztendlich besteht so eine Reise, abgesehen von den Eindrücken aus der Natur, gerade aus dem Kontakt zu anderen Reisenden und der lokalen Bevölkerung. Und natürlich aus der Bewegungsfreiheit – sich bspw. jederzeit einen neuen Stellplatz suchen zu können. Das alles war nun nicht mehr wirklich möglich und vor allem wurden die Aussichten auf eine Eindämmung der Pandemie immer schlechter. Am 22.3. wurde dann in Portugal bekannt gegeben, dass innerhalb von 5 Tagen alle Camping- und Caravaning-Parks geschlossen werden. Für uns war damit klar, dass das „Parken“ auf den verbleibenden freien Stellplätzen auch nach und nach immer kritischer gesehen wird.

Wir suchten uns also einen Stellplatz auf privatem Land, um uns nicht auch noch mit den Behörden rumschlagen zu müssen. Wir fanden einen netten Platz etwas im Inland in der Nähe von Marmelete. Der Platz wurde mit Genehmigung des englischen Eigentümers von Alex (einem Mitte 20 jährigen Deutschen) genutzt, der dort mit seinem Wohnwagen campierte bzw. wohnte. Da sich der Platz weit entfernt von der nächsten Stadt, also mitten im Grünen befand, füllten wir vor Abfahrt nochmals unsere Vorräte. Hier waren wir dann schließlich für circa 2-3 Wochen und nutzten die Zeit im Freien u.A. zum Staudammbau am Bach, Lagerfeuerabenden, Parcour bauen, Slacklinen, unserem Tippi-Bau und Fangenspielen.


Hier gibts ein Panorama vom Stellplatz inkl. Tippi: Klick!

Das sehr wechselhafte Aprilwetter mit reichlich Regen drückte ab und an die Stimmung, ebenso die nächtliche Lärmbelästungung durch ein paar Techno-Partys (trotz Corona) gleich um die Ecke. Unsere geplatzten Reiseaussichten leisteten hierzu natürlich auch ihren Beitrag.

Und so versuchten wir unser Leben neu zu sortieren und spielten alle möglichen Szenarien durch. Denn klar war, dass wir die Situation in Portugal nicht ewig aussitzen können. Letztendlich waren wir hier auch total isoliert und mit ähnlichen Maßnahmen wie in Deutschland konfrontiert. Nicht mal das Wetter war wirklich besser. Außerdem gab es keine Perspektive mehr in den nächsten Monaten noch irgendwohin reisen zu können. Insofern wurde unserer Reise durch das Corona-Virus bereits unlängst beendet. Die Frage war nur, wann wir zurück nach Deutschland fahren und wie wir dort weitermachen wollen oder können. Wir haben unsere Arbeit und Wohnung gekündigt und die Aussichten Mitten in dieser Krise wieder sesshaft werden zu können, waren nicht gerade rosig. Außerdem wollten wir uns dem ganzen Themenkomplex „Rückkehr nach Deutschland“ eigentlich erst in weiter Zukunft stellen. Die Reise sollte ja bewusst offen sein, inklusive eventuell neuem Lebensmittelpunkt. Diese unstete Zeit machte es uns jetzt schwierig bis unmöglich irgendetwas konkret planen zu können. Klar war, dass wir uns mit der Rückkehr nach Deutschland allein wegen der Krankenversicherung dort anmelden müssen. Dann werden wir direkt mit Milas Schulpflicht konfrontiert. Weiterhin kamen wir zu dem Entschluss, dass wir keine kurzzeitige Rückkehr wollen, um dann in 6-12 Monaten neu zu starten. Der Abschied von Wohnung, Job, Kita und vor allem Freunden und Familie war kräftezehrend und ist uns nicht gerade leicht gefallen. Zudem waren die Reisevorbereitung, der Auszug und die ganzen Abmeldungen usw. mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Es kostete uns so unglaublich viel Energie, bis wir endlich bereit waren unsere Reise zu starten und loszufahren. Das alles nun rückgängig zu machen, nur um dann nach X-Monaten direkt nochmal zu starten, konnten wir uns nicht vorstellen. Außerdem war total unklar, wie lange sich die Reisebeschränkungen hinziehen und wie sehr jetzt ein negatives Bild des Touristen vorherrscht. Denn wir ernteten schon an unseren letzten Tagen in Marokko ein paar Corona-Kommentare von den Einheimischen, die noch so halb lustig, halb ernst gemeint waren. Von anderen Reisenden erfuhren wir Tage später, dass die Stimmung ziemlich kippte und die Touristen vermehrt als „Corona-Einschlepper“ stigmatisiert wurden.

Als wären unsere Aussichten nicht schon trübe genug, wurde am 6.4. eine 14-tägige Quarantäne für Rückreisende nach Deutschland beschlossen. Damit war klar, dass wir uns mit der Rückkehr nach Deutschland 2 Wochen irgendwo einschließen müssen. Wir dürfen davor nicht einkaufen gehen (jemand muss uns also die Lebensmittel vor die Tür stellen, sollten wir etwas brauchen) und uns mit niemanden treffen, ansonsten drohen horrende Bußgelder. Zum Glück hat Christians Vater eine möblierte Wohnung, welche er eigentlich nicht mehr nutzt. Hier können (oder vielmehr: müssen) wir die zwei Wochen also irgendwie aussitzen.

Und so machten wir uns am 15.04. schließlich mit ein paar Ideen, aber ohne konkreten Plan wie es weitergeht auf die Rückreise nach Deutschland.

Khemisset (28. und 29. 2.)

Unser nächster Stellplatz führte uns zu einem kleinen See in der Nähe von Kehmisset. Dort angekommen spannten wir die Slackline, nutzten endlich mal die Hängematte und erholten uns alle eine Runde von der Fahrt.

Am nächsten Morgen joggte ich mit Rene einmal um den See und wir kundschafteten dabei gleich ein nahegelegenes Restaurant aus. Wenig später waren wir dort essen und mussten feststellen, dass die Zubereitung von Tajine ewig dauert. Wir warteten fast 90 Minuten auf unser Essen, welches dafür aber sehr gut schmeckte. In der Zwischenzeit war der See schon recht gut besucht. Es war Samstag und anscheinend ist dieser See ein beliebtes Ausflugsziel. Als wir wieder kamen saßen 6-7 Jugendliche vor unserem LKW. Wir wurden direkt angesprochen und nach etwas Anlaufschwierigkeiten mit dem Übersetzungsprogramm verstanden wir, dass sie von uns etwas Speiseöl haben wollten. Wir hatten genug dabei und Rene füllte ihnen ein Teeglas voll, während Anne und Mila im LKW blieben. Die Jungs revanchierten sich bei Rene und mir mit jeweils einem Glas Fanta. Sie fragten uns dann noch wo wir herkommen und nach unserer Religionszugehörigkeit. Unser Atheismus kam natürlich nicht so gut an, aber sie hatten zumindest einen in der Gruppe, der wohl unsere Weltansicht teilte. Sie wollten dann gerne noch ein Foto mit mir zusammen vor dem LKW machen(mein deutsches Nummernschild durfte dabei keinesfalls verdeckt werden). Danach wäre eigentlich der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich bedankt und erstmal wieder Abstand sucht. Stattdessen wurde ich nun aber sehr direkt mit Hilfe des Übersetzungsprogramms gefragt, ob ich nicht etwas Geld für sie hätte. In der Situation dachte ich, wir wären mehr als quitt und somit war ich erstmal ziemlich überrascht und verneinte nur. So ein offensives Betteln hätte ich an der Stelle jedenfalls einfach nicht erwartet. Bei meinem „nein“ beließen sie es nicht und wollten wissen, warum ich ihnen kein Geld geben könnte. Ich hatte mir natürlich keine Antwort zurechtgelegt und war immer noch perplex. Das beste was mir in der Situation einfiel war auf den neuen marokkansichen SUV direkt am Ufer zu zeigen und ihnen verstehen zu geben, dass sie doch lieber bei ihren Landsleuten nach Geld fragen sollten. So dicke haben wir es schließlich nicht – unser Truck ist Baujahr ´75 – und sicherlich günstiger als so ein Neuwagen. Dies war natürlich nicht die erhoffte Antwort auf ihre Bitte. Sie meinten, dass sie doch nur um 500 DH (also circa 50 Euro) bitten, und kein Vermögen von mir wollten. Ich musste darüber etwas lachen, verabschiedete mich und zog mich zum LKW zurück. Ein paar Minuten später spannte ich mit Rene die Slackline. Es dauerte nicht lang und die Jungs kamen hinzu und beobachteten uns, wie wir trainierten.

Wir boten ihnen dann kurz darauf an es auch mal zu versuchen. Das ließen sie sich natürlich nicht nehmen und jeder versuchte mal auf die Line zu kommen. Als Anfänger kommt man meistens nicht weit und so waren sie ziemlich erstaunt, dass ich einige Meter darüber laufen konnte. So gab es dann ehrlichen Applaus und die Stimmung war wieder bestens. Mit Einbruch der Dunkelheit packten die Jungs zusammen und gingen wieder ihrer Wege. Im Nachhinein beschäftigte ich mich nochmal mit dem Thema und erkannte, dass meine Reiseeinstellung doch nicht so die richtige war. Ich wollte bisher immer möglichst unvoreingenommen die Länder bereisen und war deshalb nicht gut informiert. Die soziale Pflichtabgabe ist eine Säule des Islams inklusive der Almosen als ṣadaqa (Gerechtigkeit). Gleichzeitig denken anscheinend gerade die jüngeren Menschen hier, dass wir als Deutsche automatisch reiche Touristen wären (und damit 50 Euro nur Kleingeld). Betteln ist im Islam jedenfalls ausdrücklich erlaubt, allerdings nur für wirklich Bedürftige. Das nächste Mal werde ich demnach den Spieß umdrehen und fragen, ob sie denn bedürftig und krank seien. Da kann ich mir eventuell die schönsten Geschichten anhören – ist aber immer noch besser, als sich selbst rechtfertigen zu müssen. Außerdem werde ich mir für die wirklich bedürftigen ein paar Münzen einstecken.

Die Nacht am See war dann jedenfalls relativ ruhig und am nächsten Morgen machten wir uns auf nach Mekness.

Rabat (24.2. – 27.2.)

(Anmerkung: alle Bilder sind jetzt als Link eingebettet. Einfach draufklicken und das Bild öffnet sich in Vollbild im neuen Tab in besserer Auflösung.)

Wir haben uns einen Stellplatz auf dem Lande in der Nähe von Rabat an dem Stausee „Barrage Mohamed Ben Abdellah“ gesucht (33°56’52.5″N 6°43’30.7″W).

Hier gibts ein Panorama vom Stellplatz: Panorama Stellplatz

Wie zuletzt geschrieben sollte der Platz vor allem als Treffpunkt mit Rene dienen. Er sollte am 25.2. mit dem Flieger aus Deutschland kommen und in Rabat-Salé landen. Wir kamen einen Tag früher an und wurden am Nachmittag des 24.2. bereits von einem Schäfer (Murat, 17 Jahre) mit seinen zahlreichen Schafen begrüßt.

Er war zurückhaltend und hat nur gefragt, wie es uns geht und uns willkommen geheißen. Wir konnten uns bruchstückhaft mit dem google-translator unterhalten. Einfach reinsprechen und es wird in der gewünschten Zielsprache übersetzt und sogar mit Computerstimme vorgelesen. Klar funktioniert das nicht perfekt und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Aber gerade auf dem Land sprechen die Menschen kaum noch Französisch (was wir wenigstens noch so halbwegs verstehen können) sondern nur Arabisch, was die Kommunikation sehr erschwert.

Nach Murats Besuch und einer ruhigen Nacht haben wir uns am nächsten Tag etwas die Gegend angeschaut. Sehr viel gab es nicht zu sehen, außer mal wieder die krassen Gegensätze zwischen den einfachen Behausungen der Bauern und den Villen auf europäischem Niveau ein paar Hundert Meter weiter. Nach unserer Runde spielten wir etwas mit Mila und warteten auf Rene, der gegen 17 Uhr ankommen sollte. Es dauerte dann aber noch 2 Stunden länger, ehe er endlich bei uns eintraf. Kurz nach Renes Ankunft kam auch Murat noch einmal bei uns vorbei. Er war neugierig, wieso ein zweites Fahrzeug auf dem Hügel steht. Wir haben uns kurz unterhalten und ich habe ihm einen Apfelsaft und den Zugang zu unserem WLAN gegeben. Damit saß er dann noch eine gefühlte Ewigkeit vor unserem LKW, hütete seine Schafe, trank Saft und surfte unser Datenvolumen weg. Als es später kalt wurde habe ich ihm noch eine Decke und ein Sitzkissen gegeben. Er hielt es damit noch eine ganze Weile aus, bevor er sich bedankte, uns noch einen schönen Abend wünschte und die Schafe nach Hause trieb. In der Zwischenzeit quatschten wir mit Rene und schmiedeten Pläne für die nächsten Tage. Die Nacht verbrachten wir dann zu viert im LKW – mit Rene in unserem „Flur“ auf der Luftmatratze.

Am nächsten Morgen kam Murats kleine Schwester (sie ist geschätzt 10 Jahre alt) vorbei und brachte uns frische Milch von ihren Kühen, abgefüllt in einer 1-Liter PET-Flasche. Wahrscheinlich als Dank für unsere Gastfreundschaft gegenüber Murat. Wir bedankten uns und starteten kurz darauf mit dem Mietwagen Richtung Rabat. Schon die Fahrt dorthin war sehr surreal. Zuerst auf unbefestigten bzw. schlechten Straßen vorbei an Baracken, einfachen Behausungen und an Menschen die mit Eseln Landwirtschaft betreiben. Überall war sehr viel Müll, Staub und Dreck zu sehen.

Mit Erreichen von Rabat offenbarte sich dann ein modernes Stadtbild. Straßenbahnen, 3-spurige Straßen befahren von neuen Autos (oftmals teure SUVs), verzierte Straßenlaternen, gepflegte Grünanlagen usw. Der Kontrast könnte größer nicht sein und wir hatten so unsere Schwierigkeiten die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu akzeptieren. Anscheinend ist aber in Marokko ein gewisser Reichtum angekommen, der mit der unteren Schicht nicht geteilt wird.

So fuhren wir mit gemischten Gefühlen weiter und parkten nicht weit von der „Medina“ entfernt. Nach einem kleinen Rundgang durch die engen Gassen der Innenstadt war es Zeit für das Mittagessen.

Anne hatte hierzu im Vorfeld schon ein Restaurant rausgesucht. Die 20-Minuten Fußweg dorthin waren dann nochmal sehr intensiv. Wir liefen quer durch den Markt, auf dem es größtenteils Lebensmittel zu kaufen gab. Unzählige Stände mit Gewürzen, Obst und Gemüse, (noch) lebenden Hühnern, großen Fleischhälften die in der prallen Sonne hingen und jeder Menge frischem Fisch. Der Markt war gut Besucht: lautstark verhandelnde Marokkanern, Bettler, Menschen im Anzug, Frauen mit und ohne Kopftuch, Kinder… Rene navigierte uns zielstrebig durch die Gassen und so prasselten die vielen Eindrücke in kurzer Zeit auf uns ein, bevor wir dann endlich das Restaurant erreichten. Dort war es verhältnismäßig ruhig, gemütlich und natürlich im orientalischen Ambiente. Wir saßen auf der Dachterrasse und bestellten einen großen Salat für alle, Tajine als Hauptspeise und Gebäck als Dessert. Natürlich durfte der marokkanische Minztee auch nicht fehlen. Alles in allem war es wirklich super lecker und mehr als reichlich. Wir bezahlten am Ende zu viert gerade mal 45 Euro, mit Getränken und allem drum-und-dran.

Gut gestärkt stand als nächstes Tagesziel der Einkauf auf dem Plan. Wir mussten unbedingt unsere Vorräte auffüllen und so liefen wir zurück zum Auto, kauften unterwegs noch eine SIM-Karte von einem anderen Anbieter (für maximale Netzabdeckung) und fuhren zum Carrefour-Gourmet. Der Supermarkt war ausgesprochen gut besucht, auch eher vom gehobenen Klientel. Dafür hatten sie ein super Sortiment und die Preise waren für uns sehr akzeptabel.

Nachdem wir in den Abendstunden wieder am Stausee eintrafen und unseren Einkauf verstauten kam nochmals Murat vorbei. Er lud uns zu unserer Überraschung zu einem Marokkanischen Minztee zu sich nach Hause ein. Wir waren alle schon vom Ausflug in der Stadt total erschöpft. Aber eine Einladung zum Tee auszuschlagen kommt fast einer persönlichen Beleidigung gleich. So einigten wir uns darauf, dass Anne mit Mila im LKW bleibt und ich mit Rene die Einladung annehme. Wir gingen also die paar hundert Meter zu seinem Zuhause und wurden direkt von seiner Mutter und Großmutter begrüßt.

Das Haus (links) von Murat und seiner Familie

Von dem Hof konnten wir nicht viel sehen, ein paar Hunde und ein Generator, der wohl für den Betrieb der Waschmaschine zuständig ist. Mittlerweile ist es auch schon dunkel geworden und wir wurden von Murat direkt ins Haus gebeten. Im Haus gab es eine spärliche Beleuchtung. Die Wände waren innen verputzt (außen unverputzt) und in einem roten Farbton gestrichen. Der Boden war nicht geebnet und leicht abschüssig. Von der Haustür aus gingen wir direkt in das rechte Zimmer, weshalb wir von dem Rest der Wohnung nicht viel sahen. Das Zimmer war wohl mehr oder weniger der Aufenthaltsraum, in welchem es eine große orientalische Sitzecke mit mehreren Couchtischen gab, an der locker über zehn Menschen Platz nehmen könnten. Macht bei den Großfamilien hier auch durchaus Sinn. Die dicken Bezüge mit orientalischen Muster werteten den gesamten Raum auf. Gerade aus war ein Fenster mit Gitterstreben zu sehen. Eine Fensterscheibe war nicht vorhanden, dafür aber Fensterläden. Wir nahmen rechts Platz und Murat setzte sich gegenüber. Ich habe den mobilen Hotspot mitgenommen, um über den Google-Translator kommunizieren zu können. Murat nutzte deshalb die Zeit um von der Couch aus mit seinem Smartphone zu surfen. Wenig später kam seine Mutter mit der Teekanne und den typischen kleinen Gläsern. Zeremoniell wurde der Tee aus der Kanne in möglichst großer Höhe in die Gläser eingefüllt. Kurz darauf kam Murats Vater und seine kleine Schwester hinzu, welche uns begrüßten und dann links von uns platznahmen. Wenig später wurde uns eine Art Fladenbrot aus Mehl und Olivenöl sowie ein Pfannkuchen aus Blätterteig (wahrscheinlich Msimn) gereicht. Dazu gab es Butter und Honig, alles aus eigener Herstellung. Gegessen wurde mit den Händen, dazu hat sich jeder einfach ein mundgerechtes Stück abgebrochen. Das Essen war sehr lecker und der süße Minztee (süß ist fast schon untertrieben) hat natürlich auch super geschmeckt. Wenig später kam Murats Onkel mit zwei seiner Cousinen hinzu. Alle waren sehr freundlich, aufgeschlossen und gut gelaunt. Die Gespräche liefen dann Großteils auf Arabisch, es wurde dabei viel gelacht. Wir saßen also eine ganze zeitlang auf der Couch, tranken den leckeren Tee und versuchten irgendwas aufzuschnappen. Die Übersetzungs-App kam dann aber auch noch zum Einsatz. Selbst die Großmutter nutzte sie um zu fragen, ob wir schon verheiratet wären. Sie hätte Murats Cousinen sonst anscheinend gerne vermittelt. 😉 Am Ende unseres Besuches erhielten wir noch eine Einladung zum Frühstück am nächsten Tag, an dem auch Anne und Mila kommen sollten. Unserer Langschläfermentalität entgegenkommend handelte ich die Frühstückszeit von 8:00 auf 9:00 Uhr hoch. Wir verabschiedeten uns von allen Familienmitgliedern und wurden von Murat zum LKW geleitet. Er blieb dann noch etwas bei uns im LKW sitzen und surfte mit seinem Smartphone, bevor er sich verabschiedete und nach Hause ging.

Am nächsten Morgen liefen wir vier gemeinsam zu Murats Haus um der Frühstückseinladung nachzukommen. Vor dem Haus begrüßte uns Ahmet, Murats älterer Bruder und führte uns ins Haus. Wir frühstückten gemeinsam mit Ahmet, seiner Mutter und seiner Oma. Murat und seine jüngere Schwester waren in der Schule. Es gab wieder einmal Minztee und frische Milch, Honig und Butter sowie marokkanisches Brot und Pfannkuchen. Alles eigens produziert und verarbeitet. Es war super lecker. Auch wir wollten ein paar Dinge zum Frühstück beisteuern und brachten Marmelade, Erdnussbutter, Schokocreme und etwas Obst mit, welches dankend angenommen wurde. (In Milas Blogkategorie findet ihr ihre Eindrücke vom Frühstücksbesuch – schaut mal rein!) Nach dem Frühstück und etwas Smalltalk unternahmen wir noch zwei Paddeltouren, einmal alle zusammen mit Ahmed und ein anderes Mal schipperten Rene und ich zusammen mit Murat noch eine Runde über den Teich. Am nächsten Tag machten wir den LKW startklar. Wir bedankten uns bei Murat und seiner Familie für die Gastfreundschaft und verabschiedeten uns von ihnen.