Mila liebt Pferde und das Reiten. Daher kam der Wunsch auf einen Reiterhof zu gehen immer mal wieder auf. Da wir über Ostern einen ruhigen Platz im Inland suchten, ließ sich dies gut verbinden.
Mila beschreibt daher nun ihre Eindrücke von unserem Aufenthalt. Viel Spaß! 😊
Endlich fuhren wir weiter auf den Pferdehof in Sorbas. Die Begeisterung war groß, da es die Möglichkeit für mich gab dort reiten zu gehen. Wir fuhren ca. eine Stunde mit dem LKW und machten auf der Hälfte eine Pause zum Einkaufen und Mittagessen. Mit vollem Bauch fuhren wir also weiter und wurden bei unserer Ankunft von dem freundlichen Hund „Balou“ begrüßt, welcher uns von nun an überall hin begleitete. Die Eigentümer, namens Melanie und Roland, zeigten uns das Gelände und wir begrüßten nach dem Ankommen die Ponys/Pferde. Zwei super süße Islandponys kamen auf uns zu und beschnupperten uns. Sie waren sehr zutraulich und neugierig. Es gab dort auch ein Mini-Schettlandpony namens Schneewitchen und noch zwei weitere Pferde, sowie Hühner und neben Balou noch 3 andere Hunde.





Nach einer Besprechung wie wir unsere nächsten Tage gestalten wollen, machten wir zwei Reittermine für Freitag und Sonntag, für jeweils 45Minuten, aus. Ich freute mich natürlich sehr darauf und konnte es kaum erwarten auf dem netten Islandpony Poka zu reiten. Die Tage verliefen recht entspannt. Wir knuddelten Balou, spielten Gesellschafts- oder Outdoorspiele (ein lustiges Klettspiel) oder erledigten die üblichen Alltagsaufgaben.
Dann war es endlich so weit, Melanie kam runter und holte Poka von der Koppel. Sie legte eine Voltegierdecke auf Pokas Rücken. Sie führte das Pferd zum Platz und ich stieg auf. Nun wurde ich im Kreis im Schritt, Trab und Galopp geführt. Ich turnte etwas auf dem Pferd und wir machten verschiedene Übungen. Es machte mir riesen Spaß und Melanie war eine super Lehrerin, die gut erklären konnte. Am Stundenende sagte sie, dass ich eine gute Koordination und Balance habe und sie nun einen guten Eindruck für die nächste Reitstunde von mir hat.

Papa beschloss am Nachmittag mit dem Fahrrad ins Dorf zu fahren, um sich eine Osterprozession auszusehen. Dabei beschrieb er seine Eindrücke wie folgt:
Melanie hatte uns schon bei unserer Anreise informiert, dass es an den folgenden Tagen einige Prozessionen im Dorf zu sehen gibt. Wir wussten, dass es in Spanien aufwändige Festlichkeiten zu den Osterfeiertagen gibt, hatten aber eigentlich schon abgehakt, uns irgendwas davon anzusehen. Zum einen können wir mit der Christlich-Katholischen Religiosität nicht viel anfangen, zum anderen dachten wir nicht, dass das hier so halb im Hinterland auf dem Dorf großartig gefeiert wird. Anne und Mila hatten trotzdem wenig Interesse sich das mal anzuschauen und so beschloss ich am nächsten Tag alles alleine mit dem Rad zu erkunden.
Sorbas hat nur ungefähr 2500 Einwohner und liegt auf einem Plato, welches von einer Art Canyon umgeben ist. Das Dorf mit Umgebung sieht so unterschiedlich zu den letzten Standorten aus, dass es einem vorkommt, als wäre man plötzlich in einem anderen Land. Hier gibt es auf google maps ein 360° Drohnen Panorama:
<https://maps.app.goo.gl/2qLbr52RB5sdoFW58?g_st=ac>




Mit dem Fahrrad ist man schnell vom Reiterhof durch den Canyon, hoch in das Dorf gefahren. Dieses ist nicht besonders groß, hat dafür aber viele kleine, verwinkelte Gassen. An diesem Tag war wirklich super viel los, sodass ich mein Fahrrad direkt irgendwo angeschlossen habe und zu Fuß zum Kirchplatz gelaufen bin. Dieser war voller Menschen und die Prozession schon in vollem Gange. Laute Musik von der Kapelle, jede Menge Menschen die zuschauten, wobei die Träger der jeweiligen Bruderschaft schon dabei waren eine schwere Pasos Konstruktion um den Platz zu schaukeln. Insgesamt war das schon ein ziemliches Spektakel, zumal ich mich im Vorfeld nicht weiter über die Semana Santa („Heilige Woche“) informiert hatte. Insofern war ich von der Größe der Menschenansammlung und dem Aufwand, der betrieben wurde, überrascht. Gerade wenn man dabei die Größe des kleinen Dorfes in Relation sieht. Anscheinend war hier wirklich das ganze Dorf involviert. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass hier oftmals auch ganze Familien mit den Großeltern und Onkel/Tanten dabei waren. Überrascht hat mich außerdem, dass gerade so viele junge und sehr junge Menschen Teil der Prozession waren. Denn in meiner Wahrnehmung identifizieren sich immer weniger junge Menschen mit dem christlichen Glauben und speziell mit der katholischen Konfession. Insgesamt sehe ich es kritisch, dass dieses Fest den christlichen Glauben in einer derart öffentlichen und nach außen gerichteter Weise repräsentiert hat. Als Außenstehender habe ich dies eher als ein aufwendig inszeniertes, performatives Schauspiel wahrgenommen. Aber eigentlich werden hier ja tief verwurzelte Glaubens- und Wertvorstellungen nach außen getragen und vermittelt. Und genau genommen werden diese mit solchen Festlichkeiten auch an die nächste Generation weitergegeben. Man kann schon davon ausgehen, dass sich die jungen Menschen in so einem Dorfverbund dem kaum entziehen können. Entweder man ist Teil dieser Inszenierung oder wahrscheinlich schnell Außenseiter. Jedenfalls wird der soziale Druck hier sicherlich eine gewisse Rolle spielen…
Davon unabhängig hatten die ganzen Traggestelle, Gewänder, Symbole und Zeichen, sowie die dazugehörige Musik, eine gewisse Ästhetik und Anmutung. Daran hat man auch wunderbar erkennen können, wie über Ästhetik eine große Bedeutsamkeit vermittelt wird. Gerade bei den jungen Menschen ist mir besonders aufgefallen, dass sie diese Bedeutsamkeit mit Körperhaltung, Mimik und Gestik selbstbewusst nach außen trugen. So war dies einerseits irgendwie schön anzusehen, gleichzeitig hatte es aber einen eher unangenehmen Beigeschmack. Ich wäre jedenfalls dafür, dass Kinder erst ab einem bestimmten Alter über ihre religiöse Zugehörigkeit entscheiden sollten. Im Sinne der Religionsfreiheit sollten sie hier auch frei selbst darüber entscheiden können. Insofern halte ich es für problematisch, Kinder schon in so jungen Jahren in religiöse Rituale einzubinden. Aber naja… Nach zwei Stunden bin ich jedenfalls mit vielen Gedanken, Eindrücken und ein paar neuen Fotos zurück zu unserem Stellplatz gefahren.












Dazu eine Anmerkung: die Kopfbedeckungen (Capirotes oder Capuchones) der Büßer (Nazarenos) sollen die Demut vor Gott symbolisieren und es den Büßern ermöglichen, anonym zu bleiben. Es hat also nichts mit einer Mitgliedschaft im KKK zutun.
Weiter geht‘s im Text mit Milas Beschreibungen.
Am Samstag sollte Mama eigentlich zur Massage gehen, doch Melanie wurde krank und ihr Termin musste auf Montag verschoben werden. So hatten wir viel Zeit miteinander, also spielten wir viele Spiele. Ich suchte ganz viele Seile um mit Malou Pferd zu spielen. Wir bauten uns eine Koppel und ich benutzte meine Hürden zum Training des Pferdes Murmel (so hieß Malou als Pferd.). Es machte ihr und mir viel Spaß, auch wenn das Pferd Murmel recht frech war und manchmal abhaute. Später durfte ich mit Melanies Erlaubnis dann sogar noch ein echtes Pferd putzen und es so richtig verwöhnen.
Am Nachmittag machten Papa, Mama, Malou und ich dann noch eine kleine Fahrradtour ins Dorf. Hier gab es allerdings, bis auf einen geöffneten Keramikladen, nicht besonders viel zu entdecken.











Die Nächte auf dem Reiterhof waren angenehm und nur manchmal hörte man ein Pferd mit dem Futtereimer spielen. Die Zeit verging wie im Flug und schon war Sonntag, Ostersonntag.
Nach einer kurzen abgewandelten Ostereiersuche im LKW, wobei wir 5 Paar Socken finden mussten, erhielten Malou und ich ein Überraschungsei. Doch das Schönste kam noch. Pünktlich um 11Uhr war ich bereit, um draußen bei der Pflege der Pferde zu helfen. Danach vertrieb ich mir mit einem Ballspiel und dem Basteln einer Karte für die Eigentümer die Zeit. Endlich kam Melanie und machte Poka bereit. Die Wartezeit fühlte sich einfach ewig an, doch jetzt musste ich nicht mehr warten. Wir gingen auf den Platz und sie erklärte mir, wie ich bei einem Islandpony richtig aufsteige, da das anders ist als bei anderen Pferden. Am Anfang wurde ich noch geführt. Wir übten die korrekte Treibweise und andere Sachen. Dann durfte ich frei reiten, ohne führen. Sie zeigte mir ein paar Tricks wie man die Pferde besser unter Kontrolle hat. Das machte mir riesen Spaß. Ich habe sehr viel gelernt und Neues erlebt.
Nach dem Reiten waren Spiele angesagt. Ich zeichnete manchmal was oder knuddelte Balou. Ich fand es super schön dort, war aber auch traurig, dass wir nur noch einen Tag hatten. Am Montag ging Mama 10:30 Uhr zur Massage und ich war mit Papa und Malou im LKW. Wir spielten Spiele und ich durfte mit Halfter und Putzzeug allein in die Box von Schneewitchen, dem Mini Schettlandpony. Ich ging also in die Box und band sie an, um sie dort zu striegeln. Das machte mir viel Spaß und die anderen Pferde in der Nähe schauten uns zu. Nachdem ich fertig war, kochten wir Mittagessen und räumten nebenbei immer mal etwas auf. Danach machten wir den LKW startklar und verabschiedeten uns von den Leuten dort. Nun fuhren wir los – zum Strand Cabo de Gata.
Kleine abschließende Anmerkung von den Eltern: Malou hatte auch sehr viel Freude an den Pferden, aber seht selbst:























































































































































































































