Eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Pros und Cons unseres Nomadenlebens

Sonne, Meer, grüne Natur oder leckeres Essen… auch unsere Statusbilder zeigen oft nur einen winzig kleinen Teil unserer Lebensrealität und begrenzen diesen dann oft auch noch auf die tollen, entspannten Herz-Momente. Doch wie immer im Leben ist auch auf Reisen nicht immer alles „Friede-Freude-Eierkuchen“. Daher gibt’s von uns nun ein kleinen Beitrag, in dem wir euch näher bringen wollen, was es auch bedeuten kann, dauerhaft auf Reisen zu sein.

Beginnen wir mal mit dem Negativen.

Eine Fahrt mit unserem LKW sieht oft so aus: das Fahrzeug ist fahrbereit, was schon rund 30 Minuten dauert (alles rumstehende wegräumen, einpacken, verschließen, Verschlüsse an Schranksystemen prüfen, Fenster verriegeln, Leiter verstauen, Fahrerkabine aufräumen, Sitzordnung klären, LKW starten und auf genügend Druckluft warten). Wir haben uns über die Strecke informiert und ein neuer Stellplatz wurde ausgewählt. Doch auf dem Weg merken wir schnell – wir sind an irgendeinem Punkt auf der Strecke zu hoch, zu breit, zu langsam. Es wird laut, anstrengend, unbequem. Dann kommt stets der Punkt, an dem eins oder beide Navigationsgeräte aussteigen. Erst funktionieren sie nicht, dann doch wieder, … Ergebnis – Abbiegung verpasst.

Typisch hierfür sind auch folgende Dialoge:

Christian: „Müssten wir hier nicht abbiegen?“

Anne: „Äääh… warte ich schaue… ja?!

Ergebnis: Neue Route wird berechnet…

Oder alternativ auch gerne:

Anne: „Die nächste rechts abbiegen.“

Anne: „JEEEETZT. Hier rechts abbiegen!“

Christian: fährt nach links.

Ergebnis: Neue Route wird berechnet…

Typischer Dialog, wenn in ein paar Metern weiter ein Kreisverkehr kommt:

Anne: „Nimm die dritte Ausfahrt!“

Christian: nimmt irgendeine beliebig andere.

Ergebnis: Neue Route wird berechnet…

Oder es teilt sich vor einem plötzlich die Straße…

Christian: Da vorne teilt sich die Straße. Wohin soll ich abbiegen?

Anne: Warte…

Christian: Hinter mir fahren Autos, ich kann jetzt nicht halten…Rechts oder Links?

Anne *flüstert*: Links?

Christian: WAS??? Wohin??? Links?          

Christian ist dabei links abzubiegen.

Anne: nee REEECHTS!!!

Ergebnis: Neue Route wird berechnet…

Anne: „Google fährt da lang… aber das TomTom LKW-Navi nimmt die andere Strecke. Dafür ist der Weg laut TomTom aber 40 Kilometer länger. Risiko und wir fahren mit Google?“

Christian: „Keine Ahnung – Risiko!?“

Ergebnis: Überraschend oft kommen wir damit gut durch… Aber manchmal kommt es vor, dass wir uns an irgendeiner Stelle entscheiden müssen: irgendwas illegales, wie eine einstellige Anzahl an Kilometern durch eine 3,5t Zone fahren, oder umdrehen und insgesamt 60 Kilometer Umweg in Kauf nehmen…

Irgendwann ist man dann nach so einer anstrengenden Fahrt endlich kurz vor dem Ziel, doch die letzten Meter haben es meist in sich: man muss irgendwie auf den Campingplatz oder Stellplatz kommen. Plötzlich ist die Einfahrt aber viel zu eng, Bäume sind im Weg oder ein Stromkabel hängt zu tief. Es wird also nochmal richtig stressig. Die Motivation dann einen anderen Platz anzufahren geht, genau wie das übriggebliebene Konzentrationsvermögen, gegen null. Da hilft dann meistens nur ganz viel Fluchen und Schimpfen, Säge auspacken oder Augen-zu-und-durch… Manchmal hilft aber auch alles nichts und ein neuer Platz muss her. Verflucht nochmal!

Interessant wird es auch, wenn wir in eine Stadt fahren wollen. Kurz vor der Stadt tauchen dann plötzlich überall Verbotsschilder für 3,5t auf. Das TomTom LKW-Navi bewahrt uns leider auch nicht immer vor solchen Situationen. Sowas kann dann die Tagesplanung mal schnell über den Haufen werfen.

Oft ergaben sich unsere Ziele oder Stellplätze recht spontan, auf Anraten anderer Reisender oder aus der Not heraus, weil wir an diesem Tag keine weitere Strecke mehr fahren konnten. Natürlich griffen auch wir häufig auf Apps zurück, die eine Vielzahl von Stellplätzen beschrieben und bewerteten. Dennoch weiß man immer erst was man bekommt, wenn man vor Ort ist. Und dann ist das mit dem (persönlichen) Sicherheitsempfinden immer so eine Sache. Das angefahrene Viertel erweist sich als wenig vertrauenserweckend, einheimische PKWs drehen auf dem Parkplatz ihre Runden und deren Insassen beäugen ungläubig unser Fahrzeug und rufen laut in fremder Sprache. Was tun – können wir hier sicher eine Nacht verbringen? Von Einbrüchen und Übergriffen gibt es selbst in Frankreich und Spanien genügend unschöne Geschichten. In solchen Situationen wägten wir ab, überdachten unsere Ängste oder hörten auf unser Bauchgefühl.

Wer gerne plant, kommt auf einer Reise wie der unsrigen vermutlich auch früher oder später an seine Grenzen. Nichts scheint mehr planbar! Man lernt neue Menschen kennen, die zu Reisebegleitern werden – Pläne ändern sich. Es stürmt wochenlang – Pläne ändern sich. Etwas am Fahrzeug geht kaputt – Pläne ändern sich. Wir schaffen weniger Strecke als gedacht – Pläne ändern sich. Der online als „offen“ beschriebene Lebensmittelladen hat doch geschlossen – Pläne ändern sich. … Ich könnte ewig so weitermachen.

Auch der Alltag an sich wird auf Reisen zeitintensiver und anstrengender. Dies ist sicherlich durch das Fehlen sonst gegenwärtiger Haushaltsgegenstände begründet. Kaffeekochen ohne Kaffeemaschine, Wäsche waschen per Hand, Geschirrspülen per Hand, auch ein Toaster oder die Mikrowelle erleichterten uns in unserer Wohnung so einiges, was sich nun veränderte. Da kann der Aufwasch schon zum Vormittag ausfüllenden Programm werden. 😉  Und fragt gar nicht erst nach den Tagen, an denen ich die Schmutzwäsche von vier Personen mit der Hand gewaschen habe… Dazu müssen wir jeden Tag selbst für drei Mahlzeiten sorgen, was in so einer winzigen Küche auch zur Herausforderung werden kann. Ein anderes Beispiel ist das Einkaufen. Standen wir nicht für längere Zeit mit größeren Vorräten an einem Platz gingen wir etwa alle 3-4 Tage einkaufen. Heißt – man suche ein Lebensmittelgeschäft mit großem Parkplatz, ohne Höhenbegrenzung und bestenfalls direkt an einer großen Landstraße oder Autobahn gelegen. Ab und an wurden wir dann kurz vor der Einfahrt auf den Parkplatz doch von Höhenbegrenzungen oder Parkplatzüberdachungen überrascht. Im Laden ging dann das große Suchen los. Alles steht immer irgendwo anders. Bestimmte Lebensmittel gibt es im Ausland nicht, oder man kann sie aufgrund fehlender Sprache und komischem Aussehen nicht identifizieren. Wenn dann noch hungrige Kinder ins Spiel kommen, kann das die reinste Geduldsprobe werden.

Eine Sache, die wir maßlos unterschätzt hatten, ist unsere Wetterabhängigkeit, selbst mit Fahrzeug. Regen ist laut, Wind ist laut und bringt das Fahrzeug ins Schwanken, Gewitter ist laut, Schnee ist kalt und nass… und alledem kann man nicht entkommen. Die Schlafqualität leidet während solcher Wettergegebenheiten enorm.

Und wenn wir einmal beim Thema Schlafqualität sind – auch die stetig wechselnde, ungewohnte Umgebung kann den eigenen Schlaf massiv negativ beeinträchtigen. Mal ist es das Wetter, mal der Hahn der Nachbarin, der ab 4:00 Uhr morgens kräht, mal ein Haufen Party-Franzosen 😉, mal ist das Meeresrauschen einfach zu dröhnend oder das Hundegebell geht die halbe Nacht. Gründe gibt es viele.

Auf unsere Reisen haben wir viele tolle Menschen kennengelernt. Manche beeindruckten uns, mit anderen konnten wir uns gut austauschen, mit wieder anderen erlebten wir einige gute Geschichten und verbrachten intensive Momente miteinander. Die Kinder knüpften viele Freundschaften. Doch alle Kontakte führten immer irgendwann zu einem oft traurigen Ende. Dieser intensivere Kontakt auf so begrenzte Zeit stellte uns und die Kinder immer wieder vor Herausforderungen. Trauer über den Abschied aushalten und gleichzeitig zu wissen, dass man sich, war der Kontakt auch noch so schön, vermutlich auf lange Zeit nicht wiedersehen wird, war jedes Mal schwer. Wir haben lieb gewonnene Menschen zuhause zurückgelassen und sind auch unterwegs ständig mit dem Abschiednehmen beschäftigt. „Ankommen, um wieder los zu lassen“ könnte auch das Mantra so einer Reise sein.

Auch unser Familienleben zu viert wird stetig auf die Probe gestellt. Bekanntermaßen gibt es in unserem LKW nur sehr wenig Raum für Rückzug. Potenzielle Konfliktquellen gibt es dafür aber umso mehr. Manchmal putzt der eine Zähne, der andere will an den Schrank um sich einen Pullover zu holen, währenddessen der Nächste schon raus will, aber nicht kann, weil wieder ein anderer auf Toilette sitzt und die Tür damit versperrt. Einfache Bewegungsabläufe brauchten also einiges an Koordination UND Kommunikation. Fast alles musste quasi mündlich angekündigt und besprochen werden. So schön es ist diese Reisezeit 24/7 mit unseren beiden Kindern zu verbringen, so herausfordernd ist diese auch. Besonders zu Beginn der Reise wurden wir als Spielpartner gefordert und mussten die fehlenden anderen Kinder oft stundenlang durch Rollenspiele, Brettspiele o.Ä. ersetzen. Emotionen, Enttäuschungen oder Konflikte wollten begleitet und abgefangen werden. Ständige Planänderungen oder Abschiede mussten unterstützt werden. Schlechte Launen oder Heimweh musste ertragen werden. Auch Krankheiten heilen auf engem Raum nicht schneller und brauchten ihre Begleitung und Fürsorge. Und alles immer, zu jeder Zeit, jeden Tag. Kein Kindergarten, keine Schule, keine Großeltern, keine Nachbarn- nur wir vier. Das alles zerrt und belastet mitunter auch die Paarbeziehung. Von Zeit für sich allein und der damit verbundenen Selbstfürsorge mal ganz abgesehen. All das sind Umstände, die ein Umdenken erfordern und die Tatsache, dass wir Räume schaffen mussten, um uns alle gesehen und geachtet zu fühlen.

Unsere Reise ist also nicht wie ein typischer Urlaub, in dem man die ganze Zeit abschaltet, entspannt und sich um nichts so richtig kümmern und sorgen muss. Es gibt natürlich auch solche Phasen. Dann, wenn wir lange mit netten Menschen an einem Platz stehen und uns dort so langsam auskennen. So eine Reise kann aber auch zu einer mentalen Belastung werden und es gibt definitiv einige Situationen, die zu einem ordentlichen Stresslevel führen. Dazu kommt der Nachteil, dass wir stetig viele Entscheidungen treffen müssen. Wohin fahren wir als nächstes? Wo stellen wir uns hin? Muss das wirklich (jetzt) repariert werden? Schaffen wir das? Können wir das? Und immer sind wir dabei direkt in der Verantwortung. Uns kann schlecht jemand von Deutschland aus helfen – bei Problemen sind wir erstmal auf uns allein gestellt. Je nach Entscheidung können die Konsequenzen auch ziemlich gravierend sein. Spaziergang im Bärengebiet – ja oder nein? Unwetterwarnung ignorieren – ja oder nein? In die LKW-Verbotszone fahren? Diesen Weg nehmen und riskieren sich fest oder kaputt zu fahren? Bei Fremden auf dem Grundstück übernachten? Naja und wer viel entscheidet, der macht auch mal Fehler… ist nur eine Frage der Zeit. Das dann wieder glatt zu bügeln oder damit umzugehen, gehört irgendwie auch zur Reise…

Doch nach all den negativen Seiten wollen wir auch ein paar positive Aspekte unseres Reiselebens vermitteln. Da ihr diese aber bestimmt aus unseren Beiträgen und Erzählungen kennt, geben wir diesen hier nicht ganz so viel Raum…

Auf Reisen haben wir die Chance uns unseren Lebensraum frei nach unseren Wünschen zu suchen und zu leben. Egal ob es unsere Reisebegleiter, ob es die Aktivitäten am Tag oder die Orte, an denen wir verweilen, sind. Wir brechen bewusst mit Routinen und suchen den stetigen Wandel, die Veränderung, probieren Neues aus. Wir verlassen unsere Komfortzone und dürfen lernen mit unseren Unsicherheiten und Ängsten umzugehen. (Das hört sich zuerst schrecklich an, lässt uns aber wachsen!)

Wir entschleunigen unser Leben ganz bewusst. Wir ruhen an schönen Platzen. Wir verlieren uns im Nichtstun und im gedankenlosen Sein. Wir sind präsent. Präsent gegenüber uns selbst und unseren Kindern oder Bekanntschaften. Wir können mit unseren Kindern spielen, ohne bereits die nächsten 100 Aufgaben im Kopf durchzuplanen. „Wann muss ich die Kinder zum Sport bringen? Wann muss das Auto in die Werkstatt? Hab ich schon den nächsten Arzttermin gemacht? Wann ist wohl die Waschmaschine fertig? Worum ging es nochmal im letzten Meeting? Und der Sport, ach ja, ich müsste mal wieder etwas für meine Gesundheit tun… das Gedankenkarussell dreht sich und dreht sich. Seien wir doch mal ehrlich. An vielen Tagen müssen wir rein gar nichts organisieren (höchstens unsere nächste Mahlzeit 😉) und sind damit frei und bereit für alle spontanen Ideen und Vorschläge.

Durch die ständige Nähe zueinander können wir unsere Erlebnisse und die gemeinsame Zeit wirklich gemeinsam verarbeiten und miteinander teilen. Man geht nicht nur zusammen ins Museum oder zu einer Ausstellung. Man bespricht das Gesehene, das Erlebte. Diskutiert über Vorlieben und Abneigungen. Erkundet was das mit einem macht. Setzt sich gemeinsam auseinander und lernt sich dabei noch mehr kennen. Selbst für die Auseinandersetzung mit Konfliktsituationen bleibt mehr Zeit. Auch hier merken wir, wir alle verändern uns. Besonders für Mila beginnt eine Zeit, in der sich viel verändert. Sie testet (sich) vermehrt aus, übernimmt und verwirft Ansichten, entwickelt eigene Meinungen, die es zu vertreten gilt. Hier lernen wir sie oftmals (wieder) neu kennen. Auch Malou hat um ihren vierten Geburtstag einen riesigen Entwicklungssprung gemacht. Die undurchdringbaren Wutanfälle werden weniger – sie ist wortgewandt, neugierig, mutig und kontaktfreudig gegenüber Kindern. Wir erleben viele neue Seiten an ihr.

Der auf Reisen gewonnene Input kann überwältigend (schön) sein. Manchmal ist es ein Ort, manchmal eine menschliche Begegnung, manchmal ein ausgestelltes Bild, was unsere Herzen höherschlagen lässt und uns ein wohlig warmes Gefühl von „Angekommen sein“ vermittelt. Wir kommen ständig in Kontakt mit neuen Menschen, deren Lebensmodellen, Gedanken und Meinungen. Wir lernen neue Sprachen kennen. Wir entdecken neue Städte und Orte; lernen die dortige Tier- und Pflanzenwelt näher kennen und erleben kulturelle Bräuche sowie gelebte Geschichte. So vieles unterscheidet sich von unserem Leben in Deutschland. Gebäude, Baustile, angebotene Lebensmittel, … das alles kann sehr intensiv sein. Und manchmal nehmen wir so viel Neues wahr, dass es Phasen gibt, in denen wir „nichts tun“ müssen, um alles zu verarbeiten. Alles was aufgenommen, regelrecht aufgesogen wurde, muss auch irgendwann durchdacht und eingeordnet werden. Wir merken dadurch aber auch viel intensiver, dass jeder Tag anders und einzigartig ist. Die Zeit scheint irgendwie langsamer zu vergehen und die Tage sind am Ende oftmals gefüllt mit vielen schönen Erlebnissen und Eindrücken. Zu Beginn der Reise waren wir oft von Kleinigkeiten (Fahren, einkaufen, Stellplatzsuche) vollkommen erschöpft und fragten uns oft, woran das liegt. Ich denke, es liegt genau am oben Beschriebenen.

Ein super großer Pluspunkt der Reise ist für uns die Möglichkeit viele neue verschiedene Menschen kennenzulernen. Gerade durch die Auffälligkeit unseres Fahrzeugs kommen wir überall schnell mit anderen Menschen in Kontakt. Oft ergeben sich dann kurze Gespräche über unser Fahrzeug, unser Vorhaben. Oder wir begegnen anderen Reisenden und man gleicht automatisch binnen weniger Minuten die Lebenswege, Entscheidungen und Reisepläne ab. Dabei trafen wir Menschen, deren Leben und Meinungen sich komplett von unseren unterschieden und die unser Weltbild herausforderten. Andere inspirierten uns durch ihre ruhige, geerdete Art. Wieder andere beeindruckten durch ihre offene Art und ließen uns binnen weniger Minuten Teil ihres Lebens und bisherigen Erfahrungen werden. Dieser intensive Austausch war manchmal beeindruckend und anstrengend zugleich. Auch die Kinder durften erfahren, dass sie überall und unabhängig ihrer Muttersprache Kontakt zu anderen Kindern knüpfen, sich verständigen und gemeinsam spielen können. Die Vielfalt der Kinder samt ihrer Eigenarten die uns hierbei begegnete, hätten wir in Deutschland wahrscheinlich nicht so getroffen (Man bewegt sich ja doch oft nur in seiner „Blase“.). Manchmal hatten wir auch das große Glück, dass wir Menschen kennenlernten, zu denen wir so eine gute Verbindung hatten, dass sich gemeinsame Reisepläne entwickelten und wir gemeinsam wertvolle Momente verbringen durften.

Wir sind bekanntermaßen eher GUT-Wetter-Menschen und daher in Klimazonen jenseits der 15 Grad nun doch wesentlich öfter draußen in der Natur zu finden als in Deutschland. Wir sind mehr draußen, wir bewegen uns mehr, sind aktiver. Definitiv ein großer Pluspunkt der Reise!

Von ein paar Rückschlägen abgesehen, erproben wir uns fortwährend in einer Art des bewussten Optimismus und der Dankbarkeit für unsere Situation und all der Besonderheiten, die damit verbunden sind. Oft sind wir regelrecht gezwungen an das „Gute im Menschen“ zu glauben. Wir vertrauen darauf, dass die Welt gut ist und es immer wieder Orte und Menschen geben wird, die uns auffangen, unterstützen und inspirieren. Und so lange das so ist, ist unsere Reise noch nicht zu Ende! 😊

Deutschland rückt näher – unser Rückweg durch Frankreich (4.5.-22.5.2026)

Nach der Menge an Kultur stand uns nun die Überfahrt nach Frankreich bevor. Ich wollte unbedingt noch einmal an den Stellplatz in der Nähe von Beziers, um dort die naheliegenden Parcours zu laufen. Gesagt getan. Der Platz war schnell gefunden, wir konnten uns erholen und die Kids hatten ausreichend Platz zum Spielen. Außerdem stand wiedermal ein Geburtstag an. Ben wurde 10 Jahre alt und wir feierten diesen Tag mit einem leckeren Mittagessen, ausreichend Kuchen und einem Parcour. Während die Kinder spielten, hatten wir Erwachsenen Zeit zum Quatschen, in der Sonne sitzen und Pläne schmieden. Während dieser Tage durften wir auch Teil von Isabells und Daniels Weinprobe sein, wobei wir extra die kleinere Flasche (375 ml) testeten, in dem Glauben, es sei die für 14€. Was soll ich sagen… sehr süß, schwer und ein bisschen muffig im Abgang. 😀 Aber man gönnt sich ja sonst nix. Alle waren der Meinung, dass die Flasche wohl geschmacklich kaum die 14€ wert wäre. Als Daniel dann jedoch die Rechnung überprüfte und feststellte, dass diese kleine Flasche die für 60€ war, wurde uns dann schon etwas anders. Wahrscheinlich sind wir eben doch keine echten Weinkenner/ -genießer! 😉

Bei aller Planerei entschlossen wir uns zu einem weiteren, letzten gemeinsamen Stopp mit Isabell und Daniel in Frankreich. Wir wollten zusammen zum Pont du Gard, einem großen Aquädukt und stellten uns dafür zwei Nächte auf einen Naturcampingplatz am Fluss.

Nach ein paar letzten Tagen mit lieben Gesprächen, Spielen und Toben am Wasser, einer kleinen Wanderung, Kinderhöhlen bauen und leckerem Essen stand der (tränende) Abschied bevor. Schweren Herzens ließen wir Isabell, Daniel und die Jungs ziehen. Wir hatten eine tolle Zeit mit euch! Vielen lieben Dank dafür – irgendwann sehen wir uns bestimmt wieder! 😉 

Nach all dem Herzschmerzabschied musste ein aufbauendes Erlebnis her – ein Besuch im Dinopark. Dieser lag auf unserem Weg durch Frankreich, bot uns einen kostenlosen Stellplatz für zwei Nächte und verhalf uns zu einem super entspannten Tag mit vielen lehrreichen Dinoinfos. Klare Empfehlung! Besonders die Fahrgeschäfte mit einer kleinen Wildwasserbahn, einem Dinoritt auf Schienen und das Flugsauerier-Karussell haben es den Kids angetan. Da wir fast die einzigen im Park waren, konnten so die Kinder ohne Wartezeit ihre Runden drehen – immer und immer wieder. 😀

Auf unserem weiteren Rückweg in die Heimat überlegten wir uns noch zwei größere Stopps in Deutschland einzulegen. Tübingen und Schwäbisch Hall. Christian und ich stellten fest, dass wir innerhalb Deutschlands noch nicht wirklich viel rumgekommen waren und so wollten wir die Chance nutzen uns (bspw.) Tübingen näher anzusehen.

Über die Plattform bewelcome (ähnlich Couchsurfing) machte Christian „Jonny“ ausfindig. Einen Anfang 20-jährigen Medizinstudenten aus Tübingen, der ein paar Stunden Zeit hatte und sich bereit erklärte, uns sein Tübingen etwas näher zu bringen. Wir parkten unseren LKW also etwas außerhalb der Stadt und fuhren am nächsten Tag mit den Rädern ins Zentrum. Wir trafen uns am Hölderlinturm, um dort eine „Stocherkahnfahrt“ (DAS traditionelle Highlight in Tübingen) mit Jonny zu machen. Jonny war super lieb. Er gab uns einen Einblick in die Historie der Stadt, zeigte uns sehenswerte Gebäude und wir tauschten uns über unsere verschiedenen Lebenspläne aus. Wir hatten mit Jonny wirklich riesiges Glück, denn einerseits ist so eine Stocherkahnfahrt relativ teuer, andererseits ist dies quasi immer ein Gruppenevent. Die Fachschaft Medizin in Tübingen hat allerdings einen eigenen Stocherkahn. Da unser Stocherkahnführer Jonny Humanmedizin studiert und Mitglied in der Fachschaft ist, hatten wir so ein Boot für uns alleine. Und das Beste – Christian durfte auch mal eine Runde Stochern. Das war tatsächlich viel schwerer als angenommen.

Nach unserer Bootsfahrt gesellte sich noch Jonnys Freundin zu unserer Gruppe und beide führten uns zu einem veganen Restaurant. Hier nahmen wir uns etwas „auf die Hand“ mit und genossen unser Essen im Klostergarten der Stadt. Wunderschön! Nach einem kleinen spontanen Fotoshooting, welches Christian von Jonny und seiner Freundin machte, verabschiedeten wir uns von beiden und stromerten allein weiter durch die Altstadt Tübingens. Fachwerk über Fachwerk, viele vegane Restaurants, super kleine niedliche Lädchen und Kaffeestuben. Alles wirkte so besinnlich und friedlich. Warum Tübingen als Stadt mit der höchsten Lebensqualität Deutschlands gilt, wurde uns hier klar. Nachdem wir erschöpft wieder zurück zum LKW radelten, informierte ich mich spaßendhalber mal über die Mietpreise in Tübingen und ich verstand, warum Tübingen nicht nur eine hohe Lebensqualität mit sich bringt, sondern auch die Stadt Deutschlands mit den höchsten Mietpreisen ist. Teuer teuer- sag ich mal. Nach einer weiteren Nacht zogen wir mit all unserer Begeisterung für Tübingen weiter – wer weiß, vielleicht sieht uns Tübingen zu gegebener Zeit wieder! 😉

Panorama Tübingen, bitte anklicken:

Panorama Tübingen

Unser nächster Stopp war eine Wohngemeinschaft in Schwäbisch Hall. Durch eine Reisebekanntschaft aus Spanien erfuhren wir von einem kreativen Wohnprojekt: einer Art Kommune in der Nähe von Schwäbisch Hall, in der 15 Menschen (9 Erwachsene und 6 Kinder) gemeinsam auf einem Grundstück lebten. Wir hatten deren Kontaktdaten und meldeten uns spontan bei ihnen, mit der Bitte ein paar Tage auf ihrem Grundstück stehen zu dürfen und ein paar Einblicke in ihr Zusammenleben zu erhaschen. Zusätzlich wurde unser Aufenthaltswunsch durch den Umstand befeuert, dass Teile der Gruppe Mitglieder eines Wanderzirkus waren und es dort vor allem für Mila die Möglichkeit gäbe etwas akrobatisch aktiv zu werden. Nach einigen Nachrichten hin und her durften wir vorfahren. Wir blieben rund 5 Tage und lernten nacheinander fast alle Bewohner (oberflächlich) kennen. Malou hatte dadurch mal wieder Kontakt zu Kindern in ihrer Altersgruppe und wir haben uns über das Wohnen, Reisen und Fahrzeugtechnik unterhalten. Solche Wohnkonzepte mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen/Räumen und eigenem Wohnraum sind durchaus attraktiv. Man muss aber dazu schreiben, dass es die Rechtssituation in Deutschland solchen alternativen Wohnprojekten wirklich schwer macht(baurechtliche Zulässigkeit usw.). Gerade die dort entstandenen verschiedenen Behausungen (Wohnwagen/Wohnanhänger, Eigenbauten, Jurte, großes Haus/Restaurationsobjekt) als legale Dauerwohnnutzung genehmigt zu bekommen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Also entweder man hat das Budget, Zeit und die Ressourcen das rechtssicher umzusetzen (welche dann eventuell für die Umsetzung der Behausungen fehlen), oder man macht das halt einfach und schaut, was passiert. 😉

Wobei es die Frage ist, wie man mental mit so einer Rechtsunsicherheit umgeht, denn die Frage ist, wie lange so ein Wohnprojekt bestehen bleiben kann, bevor es dann doch aufgrund der baurechtlichen Belange gestoppt wird. Für uns war das jedenfalls ein wirklich spannendes Thema, sowas mal in der praktischen Umsetzung zu erleben.

Natürlich war es für uns auch interessant zu erfahren, wie so ein gemeinsames Wohnen mit verschiedenen Generationen funktioniert und was es für Vor- und Nachteile mit sich bringt. Es würde jetzt den Beitrag sprengen dies tiefgehend zu erörtern (wer möchte, kann sich mit uns dazu ja direkt austauschen), aber für uns hat sich das soziale Miteinander dort sehr stimmig angefühlt. Es braucht aber definitiv viel Austausch, Kommunikation und Toleranz. Letztendlich steht und fällt alles mit den gemeinsam vereinbarten Vorstellungen und Werten UND einem stetigen Austausch und Meinungsabgleich. Für uns war es definitiv eine sehr bereichernde Erfahrung, mit unserem alternativen Wohnprojekt für ein paar Tage hier zusammen zuwohnen – vielen Dank für eure Gastfreundschaft!

Familien-Geburtstage und Salvador Dali (23.4.- 4.5.2026)

Am 23.4. zogen wir weiter zum nächsten Tipp der Franzosen. Christians Geburtstag stand vor der Tür und das Beste war: wir waren zu diesem verabredet! Es sollte zu einem Wiedersehen mit Isabell, Daniel und ihren Jungs kommen. Der neue Stellplatz war wirklich riesig – viel größer als der von Arroz. Gleich bei unserer Ankunft sahen wir von Weitem wieder den Van der Franzosen mit den Mädels Lou und Nelly stehen. Verrückt wie oft sich die Wege von Reisenden doch kreuzen! 😉

Um den Weg für Mila gering zu halten, haben wir schonmal den Platz neben ihnen angepeilt. Als wir uns dem Stellplatz näherten ist uns dann gleich das Ausstattungsmerkmal des Stellplatzes schlechthin aufgefallen: eine Badewanne – direkt am Meer! Besonders Christian war davon total angetan – nach dem Motto: das Universum schenkt mir eine Badewanne zum Geburtstag. Wie cool ist das denn!?

Außerdem gab es direkt daneben noch eine kleine Feuerstelle, sodass Christians Geburtstag nun um zwei Highlights reicher war. Den Tag zuvor nutzen wir also schonmal zum Holz sammeln. Außerdem gesellten sich wie angekündigt Isabell und Daniel zu uns.

Ein paar fotografische Eindrücke vom Platz:

Zu Christians Geburtstag war dann einiges los. Wir befüllten die Badewanne mit Meerwasser und heizten diese über unser Solarstrom und einen Tauchsieder ordentlich CO2 neutral auf. Wir turnten mit Mila, Lou und Nelly über die Airtrack-Matte oder machten so eine Art Pogo-Autoscooter-Spiel, indem man sich anspringt oder einfach gegeneinander stößt. Dabei fiel uns auf, wie tough die französischen Mädels im Umgang sind. Aufgrund des überaus guten Wetters gab es dann anschließend noch eine Wasserbälleschlacht mit den Kids und Christian. Nach dieser Abkühlung gab es dann für Christian endlich das ersehnte heiße Vollbad, mit einem kleinen alkoholischen Getränk. Es folgte ein gemeinsames Kaffee & Kuchen mit den Kids sowie Daniel und Isabell. Wir ließen den Abend mit ein paar Getränken am Lagerfeuer ausklingen, wobei es sich Christian nicht nehmen lassen konnte und die Badewanne nochmal mit einem Feuer auf Temperatur brachte. Als wir ein paar Wochen zuvor über Christians Geburtstag redeten, hatten wir als Idee nur einen Restaurantbesuch oder als Familie allein zum Strand zu gehen. Das wir den Tag mit vielen lieben Menschen, einer heißen Badewanne und so viel Spaß und Freude verbringen würden, hätten wir nie erwartet.

Einen Tag nach Christians Geburtstag entschlossen wir uns noch ein größeres Stück unserer Reise mit Isabell und Daniel zu verbringen. Besonders die Kids waren happy über ihre mitreisenden Spielgefährten und wir waren auch sehr froh über unsere Wegbegleiter.

Doch wo sollte es nun hingehen? Wir entschieden unser Glück mit dem zu Reisebeginn überfluteten Ebro-Delta noch einmal herauszufordern und suchten uns einen Stellplatz in dessen Nähe. Da Eucaliptus in einem Naturschutzgebiet liegt, ist es untersagt, dort zu übernachten. Also fuhren wir dazu rund 8 km weiter an einen kostenlosen Platz neben einer Schule. Christian spannte die Slackline und die Kids nutzten den Spielplatz – das Abendprogramm war damit gesichert. Am nächsten Morgen, kurz vor unserem Ausflug zum Strand, nutzte Christian kurz seine Slackline, als er von zwei Frauen angesprochen wurde. Sie waren Lehrerinnen der Schule von nebenan und fragten, was er da tat und ob er der Schülerschaft nicht eine kleine Show geben könnte. Gesagt, getan. 15 Minuten später saßen rund 20 Schüler vor ihm und Christian erklärte die Grundlagen des Slacklining. Dann durfte jeder, einschließlich der Lehrkräfte, noch die eigenen Fähigkeiten auf der Slackline testen und alle gingen zufrieden wieder in ihre Klassenräume.

Wir verbrachten den restlichen Tag ausgelassen am Strand, gingen baden und genossen die Sonne.

Panorama vom Ebro Delta – bitte draufklicken:

Ebro Delta

Als nächstes stand Milas Geburtstag vor der Tür und wo feiert man den 12. Geburtstag der Tochter am Besten – genau: auf einem Weingut! 😊 Wir fuhren wieder ein Stück Richtung Norden und fanden einen kostenlosen Stellplatz, idyllisch gelegen zwischen den Weinreben auf einem Weingut. Den Geburtstag begingen wir mit reichlich Kuchen, die Kids fuhren den ganzen Tag Inlineskates und zum Abendessen gab es Milas Wunschmenü: „Burger“.

Zum Abschied beschlossen Isabell und Daniel noch zwei Flaschen Wein vom Gut mitzunehmen und wir vereinbarten unseren nächsten gemeinsamen Stopp in Figueres, denn wollten wir uns dort das Dali-Museum ansehen. Nach ein paar Fahrstunden kamen wir in Figueres an und trafen die anderen wieder. Stolz zeigten sie uns ihre erworbenen Weinflaschen, um gleich darauf die Bombe platzen zu lassen. Ein kleiner Übersetzungsfehler führte dazu, dass sie zwei Flaschen (insgesamt rund 1 Liter) Wein für stolze 75€ erwarben. Um den Schock zu verdauen, half nur sehr viel schwarzer Humor. Der Stellplatz lag direkt an einem Park mit Grünanlage, Spielplatz und Calisthenics Anlage, welcher sogleich von den Erwachsenen und Kindern genutzt wurde.

Am nächsten Tag fuhren wir die paar wenigen Kilometer zum Salvador Dali Museum mit dem Rad. Daniel und die Jungs begleiteten uns. Das Museum war der Hammer… Wir hatten uns im Vorfeld nur wenig darüber informiert, sodass wir wirklich beeindruckt waren. Es gibt weltweit ja einige Ausstellungen und Museen zu Dalis Werken. In Figueres wurde das Ausstellungsgebäude samt Inhalt allerdings von Dali selbst innerhalb von 10 Jahren aus einer Ruine zu einem Museum umgebaut. Dort zu finden waren Ölgemälde, Zeichnungen, Illustrationen, Fotos, Drucke, Skulpturen, und Installationen. So viel, vor allem surrealistischer, Input war einfach überwältigend. Nach circa 2 Stunden waren vor allem die kleinen Kinder dann auch wirklich geschafft. Interessanter Weise gingen die Meinungen zum Museum dann doch etwas auseinander. Während wir Erwachsene vom Museum sehr begeistert waren, fiel die Bewertung der älteren Kinder eher ernüchternd aus. Das war dann eher so „naja“ und etwas „langweilig“… ein paar Monate später zog Mila zwar rückblickend ein positiveres Fazit (schon ganz cool und abwechslungsreich), aber generell ist sie wohl vom unterhaltungswert des Konzepts „Museum“ nicht überzeugt…