Über eine WhatsApp Reisegruppe erfuhr ich von einem Strand namens Arroz, an welchem man freistehen kann und an dem derzeit viele (deutschsprachige) Familien stehen sollen. Das klang perfekt. Ein kostenloser Platz mit bestenfalls vielen neuen Kontakten und Spielgelegenheiten für die Mädels.
Wir machten uns also auf den Weg zum rund 240 km entfernten neuen Ziel. Die übliche Versorgung (Frischwassertank befüllen, Abwassertank und Toilette entleeren, sowie Vorräte auffüllen) erledigten wir unterwegs. Wir erreichten gegen 18:30 den Stellplatz und hatten Glück, denn wir ergatterten einen erste Reihe Platz am Meer. Nach dem kurzen Erkunden der Gegend stellten wir fest, dass dieser Ort aufgrund seiner Umgebung nicht unbedingt besucht werden muss…aber….
Der Ort überzeugte uns schnell durch die offenen und herzlichen Menschen.
Kaum angekommen, kam ein junger Mensch, leicht untersetzt, mit langen Haaren und Hippiehose im geschätzten Alter von 11 Jahren auf uns zu und eröffnete ein Gespräch über die Vorteile unseres Fahrzeuges, wobei er seine Begeisterung kaum zurückhalten konnte. Er stellte sich unter dem Namen „Piu“ vor, gab uns schnell eine kleine Platzeinweisung, samt aller stattfindenden Veranstaltungen, und kehrte dann schnell zurück, um mit Christian über diverse technische Details zu fachsimpeln. Dabei scheute er sich auch nicht vor indirekter Kritik, als er nachfragte, warum wir den LKW nicht einfach verlängert haben um mehr Platz zu bekommen. Er hätte das ja so gemacht. Am Ende verabschiedete er sich mit den Worten „wir werden uns morgen sicher wiedersehen“. Was für ne Type… 😀 In den kommenden Tagen lernten wir auch Pius Mutter kennen und führten noch weitere Gespräche. Ich musste dabei regelmäßig herzhaft lachen, da sich zeigte, dass Piu ein alter Mann/Rentner gefangen im Körper eines 11-Jährigen war. Wie jeder gute Platzwart machter er täglich seine Runde mit einer Tasse Kakao in der Hand (Zitat: „Uuhh. Der Kakao ist heute aber ein bisschen süß geworden. Da muss ich nochmal ran….“) und schaute, dass alles seine Ordnung hatte. Er fachsimpelte über das Leben, die alltäglichen Verpflichtungen und den Sinn oder Unsinn von Schule. Als er eines Morgens neben mir am LKW stand und ich ihn fragte, was er heute noch vor hatte, bekam ich ein: „Naja…. eigentlich wollten wir heute auf diesen Hügel da laufen… aaaaaber … (er streckte sich und sein Bauch blitzte unten am Shirt raus) ich glaub, dass wird heut nix mehr!“ Ich musste innerlich sehr lachen… Diese Situationskomik. Ich konnte nicht mehr!
Mila schlug noch am Abend unserer Ankunft zwei, drei Räder am Strand und schon gesellten sich zwei französische Mädchen in ihrem Alter zu ihr. Die Zwei „Lou und Nelly“, sprachen allerdings nur Französisch und Spanisch, was der gegenseitigen Verständigung mit Mila aber keinen Abbruch tat. Mit Händen und Füßen und mit Hilfe des google Übersetzers vereinbarten sie ein Treffen für den nächsten Tag. Und ab da war Mila nicht mehr gesehen. Täglich gegen 11:30 Uhr wurde sie, ausgestattet mit Handy und Schlüssel, von den beiden abgeholt und kam erst am Abend wieder zurück. An guten Tagen sahen wir sie kurz zum Mittagessen. Mila hatte eine tolle Zeit. Sie konnte SUP und Schlauchboot fahren, gut gewärmt durch ihren Neoprenanzug. Gemeinsam turnten sie, spielten Fangen oder Gesellschaftsspiele und erweiterten ihre Sprachkenntnisse. Und wenn das alles erledigt war, knuddelten sie die zahlreichen Hunde am Platz.
Am nächsten Morgen fiel mir auf wie ruhig und harmonisch alles zuging. Es standen rund 70 Camper an diesem Strandabschnitt verteilt und bildeten eine bunt gemischte Vanlife community. Von jung bis alt, von alleinreisend bis zu Familien – alle waren vor Ort vertreten. Dabei bildeten Deutsche, Franzosen und Belgier den Hauptanteil der Camper. Alle Menschen waren sehr offen und kontaktfreudig, grüßten sich gegenseitig und wenn man wollte, entwickelte sich sehr schnell ein Gespräch. Zu all den vielen Menschen kamen 15-20 Hunde, von denen fast alle frei am Platz umherliefen.
Jedes Lebewesen genoss große Freiheit und verhielt sich gleichzeitig total rücksichtsvoll.











Doch dann… kamen „die Franzosen“. Auf dem zentralen Platz stand ein großer LKW eines französischen Paares mit drei Hunden, welche dort dauerhaft lebten. Am Freitag bekamen diese Besuch von Freunden und feierten dies mit lauter Musik. Wir standen ja nur eine LKW-länge entfernt und was mit tänzelnder Begeisterung begann, verwandelte sich gegen Mitternacht in Missmut über den laut dröhnenden Bass. Aber was solls… gönnt man den anderen ja mal. In vorauseilendem Pessimismus, dass es ab jetzt jede Nacht zu derartiger Lärmbelästigung kommen wird, entschieden wir unseren LKW umzuparken. Wir nutzen die Gelegenheit, fuhren ins Nachbardorf um einzukaufen und stellten uns dann auf einen Platz weiter hinten am Strand.
Dort lernten wir Ingmar kennen (ein rund 60-jähriger Langzeitreisender) sowie unsere neuen Stellplatznachbarn Ina, Martin und deren 4-jährigen Sohn Jona. Endlich hatte Malou auch jemanden zum Spielen in ihrem Alter und auch wir Erwachsene stellten schnell ein paar Gemeinsamkeiten fest und verquatschten uns den ganzen Tag. Nach einer Platzrunde stellten wir fest, dass die angereisten Franzosen am Abend eine größere Party planten. Sie zogen dazu zwar extra hinter eine kleine Anhöhe abseits des Strandes, doch ihre Musik war bereits am Nachmittag hörbar. Wir schauten uns das also einfach mal an. Angekommen wurden wir herzlich begrüßt, man bot uns Getränke an und lud uns ein zur Party wiederzukommen. Die Ausstattung wirkte fast professionell, mit Turntables, großen PA-Boxen und Generator… was auf eine lange und laute Partynacht schließen ließ. Wir bedankten uns nach kurzen Gesprächen und wollten am Abend für 1-2h zurückkommen. Wenn man der Party schon nicht entkommen kann, kann man sie ja wenigstens sinnvoll nutzen.
Wir sind also gegen 21 Uhr nochmal zur Partylocation gegangen. Wobei die Teilnehmerzahl mit 10-15 Franzosen relativ überschaubar war. Dafür hatten sie sogar ein paar Laser und Projektoren für stimmungsvolles Ambiente aufgestellt. Dazu gab es ziemlich laute, schlechte Technomusik und standesgemäß ein Lagerfeuer in der Tonne, an welchem der Großteil herumlungerte. Zu unserer Überraschung jonglierten bei unserer Ankunft zwei Menschen mit Feuer-Pois und einem Feuerstab, was aufgrund ihres berauschten Zustands einen amateurhaft bis gewagten Eindruckt auf uns machte. Dennoch wurden wir wieder sehr aufgeschlossen und freudig empfangen. Uns wurden sofort Getränke angeboten und die beiden „DJs“ und Eigentümer der Audiotechnik begrüßten uns überschwänglich. Fast so als wären sie froh, dass endlich jemand vom eigentlichen Arroz-Stellplatz zu ihnen stößt. Den Eindruck hatten wir am Nachmittag auch schon, doch von dem mitschwingenden schlechten Gewissen war jetzt aufgrund des berauschten Zustands der beiden DJs nicht mehr viel zu bemerken. Vielmehr waren es so ziemlich die einzigen beiden, die die Musik lautstark beklatschten und sich regelmäßig so nah wie möglich von der Audioanlage beschallen ließen. Wir haben uns das dann ungefähr eine Stunde lang mit angeschaut und angehört. Dazu muss man erwähnen – es waren auch zwei Deutsche anwesend, mit denen wir uns unterhielten (also nicht nur Franzosen). Danach kehrten wir wieder in unseren LKW zurück und begaben uns nach und nach zur Nachtruhe. Wobei es sowas wie Ruhe quasi nicht mehr gab. Obwohl die Anlage ziemlich weit entfernt aufgestellt wurde, war der Bass bei uns noch sehr deutlich hörbar. Selbst mit sehr guten Ohrstöpseln.
Am nächsten Tag sah man den enormen Schlafmangel sowie den damit verbundenen Frust allen Campern im Gesicht an. Daher stand rumgammeln auf dem Plan. Die Kids waren ja alle mit Spielpartnern versorgt und wir konnten so den Tag in Ruhe über die Bühne bringen. 😉 Um einer weiteren Partynacht zu entkommen, entschlossen wir uns am Nachmittag die Partyfranzosen mal nach ihren Plänen für den Abend zu fragen. Nach einem „Heute ist Ruhetag.“, waren wir beruhigt und dem Nachholen des fehlenden Schlafes stand scheinbar nichts im Wege.
An diesem Tag lernten wir auch noch Isabell und Daniel mit ihren zwei Jungs Til und Ben kennen. Die Familie reiste bereits seit 3 Jahren und sollte uns noch weiter begleiten. Doch dazu im nächsten Blogbeitrag mehr…