Aller Anfang ist schwer

Man denkt ja immer beim zweiten Mal ist alles viel leichter!! Das gilt allerdings nicht für unseren Reisestart.

Wieder einmal haben wir es nicht geschafft vor dem Winter loszukommen. Zu viele Sachen waren noch zu erledigen. Allen voran gab es da die Probleme mit der Kraftstoffversorgung am LKW. Ständig ging er im Standgas einfach aus… und danach nur mit viel Aufwand wieder an. Manchmal lief er problemlos 15 Minuten, bis ihm ganz langsam die Puste ausging. Manchmal wurde er nur kurz gestartet – läuft, läuft, läuft. Nichtmehr. Dann war immer Entlüften angesagt… rödel, rödel, rödel… manchmal lief er dann schon wieder. Manchmal brauchte er das Ganze aber zwei bis drei Mal. Die ersten Male war es deshalb ziemlich stressig, wenn der LKW völlig überraschend in der Speditionseinfahrt unserer Miethalle ausging. Dann standen da über 7 Tonnen Altmetall in der Gegend rum, die nicht einfach so um die Ecke geschoben werden konnten.

Christian hat die letzten Wochen schon so einiges durchprobiert und erneuert, leider ohne durchschlagenden Erfolg. Deshalb war es nun an der Zeit das Problem jemandem zu übertragen, der sowas beruflich macht.

Wer allerdings die Geschichten der letzten Monate bei uns mitbekommen hat, weiß, dass Christian bei der Wahl eines Reparaturbeauftragten einfach kein Glück hat. Kein Glück ist dabei ziemlich untertrieben. Vielleicht veröffentlichen wir irgendwann mal die „unglaubliche Geschichte von Burkhard“ – der schlechtesten Entscheidung für unsere LKW Instandsetzung überhaupt.

Dieses Mal erwischte es uns nicht ganz so schlimm. In der ersten Woche ließ die Werkstatt nicht viel von sich hören. Auch nach dem fünften Anruf war dort niemand zu erreichen. Ende der Woche wollte man zurückrufen, was nicht passiert ist. Am darauffolgenden Montag dann die Nachricht: der LKW läuft wieder. Alle Leitungen nachgezogen – das war es schon. Super! Am Dienstag will Christian den LKW abholen. Er lässt sich vom Meister noch kurz zeigen, dass der LKW läuft. Quatscht noch etwas mit ihm. Dann wollte er noch wissen, wie der Diesel im Schauglas nun bei höherer Drehzahl aussieht. Der Meister setzte sich also rein und will gerade Gas geben, da klingt der LKW komisch. Christian meinte: „warte mal kurz“… da läuft der LKW plötzlich unrund und stirbt langsam ab. Darauf der Meister: „OK, da ist ja doch noch ein Problem… aber ich bin ihn doch gestern problemlos gefahren. Der lief gut. Ja, schauen wir uns an“. Ich kürze es Mal ab: am Ende dauerte es geschlagene 5 Wochen und es waren insgesamt drei Meister am Werk. Zwischenzeitlich haben sie in der Werkstatt sogar einen alten Veteranen, mit deutlich über 70 Jahren rangeholt. Woran lag es nun? Christian hatte die Dieselleitungen auf Verdacht bei einem Fachbetrieb für Hydraulikleitungen erneuern lassen. Dort wurde allerdings die alte Kraftstoffleitung einfach am Schlauchnippel abgeschnitten und dann die neue Leitung einfach über die alte gecrimpt. Und das wurde wohl nie so richtig dicht. Jedenfalls hat uns das, anstatt prognostizierten drei Tagen, am Ende fünf Wochen und jede Menge Geld und Nerven gekostet. Parallel haben wir den Auszug vorbereitet, was dieses Mal gefühlt noch mehr Arbeit war. Aber das kann auch daran liegen, dass wir durch Malou mit ihren 3 Jahren zu nicht viel kamen. Einer musste immer die Betreuung übernehmen, damit der andere Zeit zum Arbeiten hat. So kamen wir die letzten Tage dann auch echt ins Schwitzen: Wohnung streichen, Dinge aussortieren, Sachen einlagern, inserieren oder gleich ab damit zum Verschenken vor die Haustür oder als letzte Option: Wertstoffhof. Die Tage gingen nur so ins Land. Bei unserer ersten Reise hatten wir den Winter auch schon im Nacken. Dieses Mal waren wir allerdings noch später dran.

Der 16.12.2025 – was für ein Tag!

Am 16.12.2025 war es dann endlich so weit – wir übergaben unsere schöne Wohnung an unsere Nachmieter, meldeten unseren Wohnsitz in Jena ganz offiziell ab, verabschiedeten uns von unseren lieb gewonnenen Nachbarn und zogen in den LKW, der eine Straße weiter parkte.

Die ersten Tage im LKW zog es uns noch nicht in die Ferne. Wir verbrachten 2 Tage in Niedersynderstedt, um Arbeiten am Innenausbau zu beenden und noch etwas Zeit mit Freunden zu verbringen. Im Anschluss ging es für knapp zwei Wochen in unser Domizil nach Hermsdorf. Hier hatten wir in einer Halle die letzten 2 ½ Jahre den LKW umgebaut. Domizil klingt jetzt schon sehr nach Urlaub, aber das Gegenteil war der Fall. Denn es gab dort leider noch einige Arbeiten zu erledigen. Wir mussten alle Rester vom LKW Ausbau sortieren, einlagern, entsorgen oder im LKW verstauen. Alles war chaotisch vollgestellt mit Werkzeug, Schrauben, Elektroniksachen, Sachen vom Wassersystem, Dämmung, LKW Teilen, etc. pp. Parallel gab es noch Arbeiten am LKW zu erledigen, welche Christian zusätzliche Arbeit machten. Ein paar Sachen wurden bisher zwar eingebaut, aber nie so richtig auf Funktion überprüft… und gingen dann natürlich nicht wie gedacht. Außerdem haben wir am Tag des Auszuges erstmal alles nur provisorisch im LKW verteilt. Und das war viel zu viel und ohne System. In Hermsdorf musste nun zusätzlich das ganze Werkzeug usw. an Board. Also alles aus- und wieder einräumen. Euroboxen kaufen. Nochmal einräumen.

So verging Tag um Tag. Immerhin hatten wir in der Halle unbegrenzten Strom und Wasser, eine funktionierende Toilette und schützende Hallenwände. Denn mittlerweile war es wirklich kalt geworden, jeden Tag unter 0°C. In der Halle waren es meist „noch“ um die 5°C. Ein kleiner, aber signifikanter Unterschied.

Dafür hatten wir allerdings in der Umgebung nicht viele Möglichkeiten für die Kinder. Das alles machte es im zugestopften LKW nicht wirklich leicht und so sorgten der geringe Platz und die fehlenden Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen für einige stressige Momente. Zum Glück hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch unseren PKW und konnten so ab und zu Freunde und Familie besuchen. So haben wir bspw. die Weihnachtsfeiertage noch mit unserer Familie verbracht. Aber jeder Besuch war auch irgendwie mit einem kleinen oder großen Abschied verbunden. Das hatten wir von der ersten Reise auch irgendwie alles leichter in Erinnerung… Insofern waren es schon insgesamt stressige und emotionale Zeiten, die nun hinter uns liegen.

Das neue Jahre beginnt – … mit Fieber und Erbrechen

Den Jahreswechsel verbrachten wir dann auf einer Silvester-/Geburtstagsfeier von Christians Onkel in Saalfeld. Wir nutzen den Zeitpunkt und fuhren mit der Feuerwehr zum Partyort und konnten so problemlos vor Ort übernachten. Am Neujahrstag posteten wir unseren Standort an Freunde und Familie und freuten uns so über spontanen Besuch, welcher unser Mobil bestaunte und sich nach einiger Zeit unter ein paar Tränen von uns verabschiedete.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg nach Hermsdorf und als ob das Jahr nicht besser starten könnte, fing Mila noch am Abend an über Kopfschmerzen zu klagen. Nächster Tag – Mila hat Fieber, Husten, Bauchschmerzen und musste sich den ganzen Tag über mehrfach übergeben. Nichts half. Ihr Leiden war groß. Noch waren wir guter Dinge, dass das alles nicht schön aber händelbar ist. Aber, zu früh gefreut. Einen Tag später liege ich mit Husten und Fieber flach. Nichts geht mehr. Christian hat natürlich noch eine Menge im Lager zu tun, also mussten wir Malou irgendwie durch den Tag bringen. Wieder ein Tag später – Malou hat hohes Fieber und liegt ebenfalls flach. Christian ist der Einzige der wacker durchhielt! Er musste alle verbliebenen Arbeiten (Lagerplatz beräumen, Feuerwehr einräumen, PKW nach SLF bringen, Restaufgaben abarbeiten) allein wuppen – immerhin mussten wir am 05.01. das Lager auflösen. … und er hat es geschafft!

Und als der 05.01. am Kalender stand, entschlossen wir uns, unsere Reise zu starten!

Mila ging es besser. Sie schlug sich noch mit Husten und Schnupfen rum, was aber kein Vergleich zu vorher war. Malou und ich fieberten noch etwas vor uns hin, was mit dem ein oder anderen Schmerzmittel aber halbwegs erträglich war und so weite lange Strecken wollten wir ja sowieso nicht fahren.

Also starteten wir in Hermsdorf, machten einen Abstecher über Coburg, um meinen Opa noch einmal zu sehen und zu verabschieden und kamen an diesem Tag bis Kitzingen, bei Würzburg. Unser Nachtlager lag neben einem Sportplatz, war gerade und halbwegs ruhig. Aber es war kalt, sooo kalt. Bereits zur Mittagspause in Coburg brauchte die Standheizung rund eine Stunde, um die Bude wieder halbwegs warm zu bekommen. „Erfrieren“ ist eines der schlimmsten Szenarien für uns also entschlossen wir uns, die Standheizung einfach die ganze Nacht anzulassen. Es zeigt sich, das war genau richtig. Die -4 Grad konnten uns nichts anhaben. 😉

Der nächste Morgen begann für Christian mit starken Kopfschmerzen und Husten. Uns schwante Böses. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es ihn verschont hätte. Schnell schmiedeten wir den Plan noch so lange es geht rund 100km weiter zu fahren. So konnte sich die Batterie aufladen und wir einen noch ruhigeren Stellplatz finden. Gesagt getan, gegen Mittag erreichten wir Ravenstein. Wieder ein Platz neben einem Sportplatz. Die Kinder konnten diesen am Nachmittag für eine Runde Schneefußball nutzen und wurde so gleich ein bisschen „gelüftet“. Christian sackte in der Zwischenzeit zusammen. Mit voller Breitseite erwischte es ihn – an die 40°C Fieber, Kopf-/und Gliederschmerzen, Erbrechen – den ganzen Tag. Wir drei anderen vergammelten den Tag, spielten Spiele, schauten Film.

Wir blieben für zwei Nächte, mussten dann aber aufgrund geleerter Batterien weiterfahren. Christian schmiss sich also ein paar Paracetamol und wir entschlossen uns auf einen Campingplatz zu fahren, um dort weiter zu regenerieren.

Und so ging es nach Schellbronn, in der Nähe von Pforzheim. Ein überteuerter, etwas in die Jahre gekommener Platz mit kleinem italienischen Restaurant, Fitnessraum und Sauna. Wir bezahlten für zwei Nächte rund 100Euro, hatten dafür aber wenigstens unbegrenzt Strom, konnten duschen und ich nutzte diese Gelegenheit zum Wäsche waschen.

Ach ja, jetzt hab ich doch fast vergessen zu berichten, dass wir, kaum auf dem Campingplatz angekommen, keinen Sprit mehr im Tank hatten. -.-

Es lag ja reichlich Schnee. Wir machten also die Standheizung an. Doch zu unserem Erschrecken blieb sie einfach aus. Die Standheizung hat ein kürzeres Rohr, damit sie den Tank nicht leer saugen kann. Ein Blick in den Tank zeigte: da ist nicht mehr viel drin. :/

So wenig, dass Christian auch nicht mehr die 5 Minuten bis zur nächsten Tankstelle fahren wollte. Also ist Christian mit dem netten Campingplatzbetreiber und den Reservekanistern zur nächsten Tankstelle gefahren, um Diesel zu holen. Nach 20 Litern und Entlüften der Dieselleitung sprang unsere lebensrettende Standheizung dann auch wieder an. Man man man. Also der neue Tank ist mit unserer alten Tankanzeige nicht kompatibel. Man merke sich: bei halber Tankanzeige ist der Tank nicht halb voll, sondern so gut wie leer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.