Ein Medinabesuch in Asilah und zwei Nächte im Korkwald (21.-24.2.)

Nach unserer ersten Nacht in Marokko stellten wir uns am nächsten Tag erneut der Herausforderung in Tanger ein Geschäft zu finden, in dem wir uns eine SIM-Karte zur Internetbenutzung kaufen können. Wir fuhren also mit mulmigem Gefühl im Bauch zurück nach Tanger und parkten den LKW am Straßenrand in der Nähe, wo wir den Maroc Telecom-Laden vermuteten. Wir liefen auf und ab, doch fanden nichts. Mit meinem gebrochenen 7. Klasse-Schul-Französisch fragte ich in einem kleinen Elektrogeschäft nach dem Weg. Die Verkäufer reagierten sehr freundlich, wussten jedoch auch nicht wo wir „Maroc Telecom“ finden können. Unsere Rettung war dann ein „orange-Laden“, ebenfalls ein Internetanbieter. Hier gelang es uns eine SIM-Karte für 3 € zu erwerben und diese mit 10 Gbyte für 10 € aufzuladen. Die Internetversorgung war damit gesichert und unser größtes Problem gelöst. Da wir nun mithilfe des Internets auch zu unserer nächsten Streckenetappe navigieren konnten, fuhren wir von Tanger nach Asilah.

Wir parkten gleich am Stadtrand auf einer betonierten Fläche direkt am Strand und neben einem kleinen Restaurant. Um uns herum standen ein paar weitere Wohnmobile, was uns ein positives Grundgefühl verschaffte. Wir wurden direkt von einem netten Parkwächter begrüßt und erhielten die „Einladung“ doch nebenan Essen zu gehen. Dies taten wir. Wir bestellten Couscous mit Gemüse und zwei Tatjinen sowie dazu frischen Minztee. Für rund 18 € erhielten wir 3 Softdrinks, 3 Hauptgerichte und 2 Tees und waren damit rundum glücklich. Beim Verlassen des Lokals überreichte der Besitzer Mila noch 2 Blumen, da er bemerkte, wie sie an diesen schnuppernd vorbeilief. Wir beschlossen für eine Nacht auf dem Parkplatz zu bleiben, um am nächsten Tag die Altstadt (Medina) von Asilah zu besuchen. Gestärkt ging es für uns am nächsten Vormittag an Strand und Hafen vorbei in die kleinen Gassen der Altstadt. Uns erwartete ein verflochtenes Gewirr aus engen Gässchen, alle in weiß-blau gehalten und teils kunstvoll mit Grafitti und Wandmalerei gestaltet. Kleine Shops mit Schmuck, Souvenirartikel und viele Künstlerateliers fanden sich in den Hauseingängen neben ganz normalen Wohnungen.

Insgesamt hatte die Medina ein schönes Flair und war halbwegs authentisch, ohne auf uns zu sehr touristisch zu wirken.  Wir hatten wahrscheinlich auch Glück, da wir diese vormittags, unter der Woche sowie außerhalb der Hauptsaison durchquerten. Insofern war die Stadt relativ schwach besucht und die Händler waren relativ passiv und entspannt. Nach einer Stunde hatten wir dann das Gefühl einen Großteil der Gassen besucht zu haben und machten uns auf den Rückweg.

Wir fuhren die rund 160 km nach Kenitra, um in einem Korkwald freistehend zu übernachten.

Die rund 3 stündige Fahrt entlang der Autobahn deuteten die großen Gegensätze des Landes an. Neben großen Prunkbauten fuhren wir vorbei an riesigen, slumähnlichen Wellblechhütten. Außerdem gab es viele Häuser, die einem Rohbau glichen, jedoch von vielen vielen Menschen bewohnt waren. Zwischen den Wohnvierteln sahen wir zahlreiche Felder und Gewächshäuser. Hier wurden überwiegend Erdbeeren und Bananen angebaut. Streckenweise fuhren wir auch an größeren Wäldern vorbei. Was jedoch immer wieder und überall auffiel, war der herumliegende Müll. Während ich mich bereits in Frankreich und Spanien über den Grad an herumliegenden Müll ärgerte, finde ich hier fast keine Worte dafür. Egal ob Plastik, Papier oder Restmüll alles liegt überall herum. Es wirkt fast so als ob einfach jegliches Bewusstsein dafür fehlt und als ob man sich hier gar nicht daran stört. (Natürlich spreche ich hier aus meiner „westeuropäischen Luxussichtweise“; vielleicht liegen die Probleme des Alltags hier einfach ganz woanders, so dass der Müll hier kein „Problem“ darstellt.)

Nachdem wir Kenitra erreichten, sahen wir drei bettelnde Kinder auf der Straßenkreuzung. Mir wurde direkt wieder anders… Christian konnte diese jedoch relativ gut blocken. Dazu muss man wissen, dass man das Betteln der Kinder nicht unterstützen soll.

https://www.lebensdomizile.com/de/blogger/item/marokko-bettelnde-kinder-dumme-europaeer.html

Wenige später sahen wir dann den Korkwald entlang einer Landstraße, bogen ab auf einen Feldweg in der Hoffnung dort mit unserem LKW langfahren zu können. Nach 5 m mussten wir jedoch halten…weil, ja weil uns eine kleine Schildkröte den Weg versperrte.

Mila und ich geleiteten die Schildkröte also auf die andere Straßenseite um dann ein paar Meter vorzulaufen um einen geeigneten Stellplatz zu finden. Ein kleiner zu tief hängender Ast musste unserem LKW weichen und wurde von Christian kurzerhand abgesägt. Dann war alles bereit. Jetzt noch einparken und fertig. Tagesetappe geschafft!

Der Platz stellte sich für uns als Glücksgriff heraus da er sehr ruhig gelegen war. Nur ab und an liefen ein paar Anwohner vorbei und auf der nahegelegenen Wiese picknickten ein paar Familien mit ihren Kindern. Am nächsten Tag kamen Vormittags dann 5 Kinder an unserem LKW vorbei. Es waren überwiegend Mädchen von circa 5-15 Jahren. Sie näherten sich mit einer Mischung aus Schüchternheit, Angst und Neugier. Wir winkten ihnen freundlich zu, vermuteten aber schon wieder das Schlimmste. Die Mädels lachten und fragten „Ca va?“ (Wie geht’s?). Wir versicherten, dass es uns auch gut geht und sie waren zufrieden. Dann kam sogar noch die Mutter der Kinder vorbei und fragte auf Französisch wie es uns denn geht und beschrieb die Richtung in der sie wohnte…nur für den Fall, dass irgendetwas ist. Dann verabschiedeten sie sich schon mit einem au revoir und bye bye und gingen ihrer Wege … Uns fiel dabei direkt die Schwere unserer Voreingenommenheit auf.   

Wir bekamen hier also die nötige Ruhe um die ersten Eindrücke des Landes zu verarbeiten und blieben zwei Tage.

Mila und Christian auf der Slackline

Dann fuhren wir  weiter zu einem Stellplatz an einem Stausee, den wir als Treffpunkt mit Rene vereinbart hatten. Der wollte uns nämlich in Marokko besuchen kommen! Darauf freuten wir uns schon sehr!!

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