Nach den letzten Tagen am See sollte unsere Reise also weiter Richtung Meknes gehen. Die Stellplätze für unseren LKW waren in Meknes eher begrenzt und auf Übernachtungen inmitten der Stadt hatten wir wenig Lust. Außerdem wurde uns der LKW zu viert langsam zu eng, weshalb wir uns dazu entschieden, uns ein Riad (Hotel) zu suchen. Die Möglichkeiten waren riesig und wir entschieden uns für etwas Luxus und wählten das „Riad Yacout“ direkt im Herzen der Medina von Meknes. Wir fuhren ohne weitere Vorkommnisse die rund 70 km nach Meknes.

In der Stadt waren unmengen von Menschen überall unterwegs, es gab kleine überfüllte Gassen entlang der großen, gut ausgebauten Hauptstraßen, Pferdekutschen, Verkaufsstände und und und… die ersten Eindrücke überfluteten uns. Glücklicherweise befand sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Riad und direkt neben dem großen Marktplatz ein großer Parkplatz auf dem wir unser Fahrzeug abstellten. Nach einem schnellen Mittagessen im LKW, verstauten wir unsere (Wert-) Sachen in Renes Mietwagen und fuhren damit weiter zum Riad (ca. 5 Minuten entfernt). Wie überall in Marokko geleiteten uns die Parkwächter bis zum perfekten Stehen in der Parklücke und wollten danach dementsprechend eine Entlohnung. Auf Christians Nachfrage nach einem Parkticket als Nachweis, dass wir bezahlt haben, lachte der Parkwächter, zeigte uns zwei abgebrochene Stöckchen und klemmte diese unter den Scheibenwischer der Frontscheibe. So geht das also in Marokko. Das sollten wir in Deutschland auch einführen!! 😀 Wir ließen uns etwas ungläubig auf das Spiel ein, bezahlten vorsichtshalber erst einmal nur für eine anstatt zwei Nächte und betraten das Riad.
Mit Betreten des Riad bot sich uns direkt der Kontrast zum lauten und belebten Draußen. Ein großer Eingangsbereich, angenehm temperiert, mit Entspannungsmusik und einladenden Sofaecken begrüßte uns.

Wir füllten ein paar Formalitäten aus und meldeten uns an. Bis dato war noch nicht ganz klar, ob wir zu viert unser gebuchtes 4-Bettzimmer erhalten würden, da es in Marokko weder üblich ist, dass 2 Männer zusammen in einem Zimmer schlafen noch, dass unverheiratete Menschen ein Hotelzimmer benutzen. In unserer 4’er Kombi war quasi alles dabei (Rene und Christian; Rene und Anne). Doch alles lief wie geplant, keiner beschwerte sich – alles gut. Von unserem Zimmer waren wir jedoch trotzdem etwas enttäuscht. Es war alles da was man braucht, keine Frage, aber es fehlte etwas an der Liebe zum Detail. Auch die erste kalte Dusche, die Mila und ich nehmen mussten, brachte etwas Ernüchterung. Erst auf Christians Nachfrage hin wurde das warme Wasser „angestellt“. Dennoch waren wir froh über die Abwechslung und den Komfort.
Am Abend wollten wir essen gehen. Dazu studierte Rene im Vorfeld die Internetrezensionen zu den besten Restaurants in Meknes. Gegen 18 Uhr ging es also los. Erst einmal kurz beim LKW vorbei, um zu sehen ob alles ok ist. Wir entschlossen uns außerdem über Nacht das Licht im LKW brennen zu lassen um keinen unbelebten Eindruck zu hinterlassen. Neben unserem LKW parkte ein Wohnmobil aus der Schweiz mit dessen Bewohnern wir uns kurz unterhielten.

Milas Hunger war jedoch riesengroß und so verabschiedeten wir uns, waren jedoch beruhigt, dass diese beiden neben unserem LKW die Nacht verbrachten und somit ein Auge auf ihn werfen konnten. Nun stand zwischen uns und dem Abendessen nur noch der riesige Markt von Meknes mit all seinen Verzweigungen in die benachbarten Gassen.



Wir mussten dadurch, es gab keine Alternative. Also mitten rein ins Getümmel. 1000 verschiedene Eindrücke. Es war überwältigend. Super viele Menschen (vor allem Einheimische) schoben sich gegenseitig durch die Marktgänge. Marktschreier priesen lautstark ihre Ware an. An manchen Ständen tönte laute Musik. Jeder Ecke, jeder Stand roch anders – mal besser (nach Erdbeeren), mal schlechter. Neben diversen Lebensmitteln, vor allem Brot und Obst, wurden Schuhe, Kleidung, Küchengeräte und sehr viel Plastikkram, den man nicht braucht, verkauft. Es wirkte wie eine Mischung aus Rummel und Festival.

Die große Masse der Menschen bestimmte unterbewusst wo man hinlief und zeigte den Weg auf. Wir ließen uns treiben und versuchten dabei den Weg zum Restaurant nicht aus den Augen zu verlieren. Rene navigierte uns zielsicher. Mila wurden es etwas zu viel, weshalb ich ihre 18 kg durch die engen Gassen trug und versuchte dabei in der Enge niemanden anzurempeln. Nach einiger Zeit war es geschafft und die Gassen, welche wir bestritten wurden lichter. Wir atmeten alle erstmal etwas auf. Sichtlich überwältigt und erschöpft von all den Eindrücken erreichten wir unser Restaurant. Und auch dieses war so ganz anders als ein Restaurant in Deutschland; es glich eher einer Privatwohnung. Über einen langen Flur gelangten wir ins „Wohnzimmer“, welches der Gastraum war. Eine Etage weiter oben standen zwei Frauen in der Küche, unterhielten sich vergnügt und bereiteten das Essen zu.


Lustigerweise konnte man sie im Gastraum über eine Art offenes Treppenhaus hören.

Wir wurden von einem Mann sehr nett begrüßt und bestellten landestypisch Couscous und Tajinen. Mila gelüstete es nach Fleisch und so bekam sie als Einzige eine Portion. Dazu, wie so oft, frischen Minztee. Alles sehr lecker!! Frisch gestärkt und ausgeruht bahnten wir uns unseren Weg zurück zum Riad durch die kleinen Gassen und ließen den Tag mit ein paar Serienfolgen ausklingen.
Der nächste Tag startete mit einem typisch marokkanischen, süßen Frühstück. Es gab Baguette, eine Art Brotkuchen, „deftigen“ Pfannkuchen und etwas Süßkram (Brotkuchen und Pfannkuchen glichen denen bei Murat, wobei die familiäre Hausmannskost tausendmal leckerer war!). Nach dem Frühstück wollten wir etwas Sightseeing machen. Zuerst mussten wir noch einmal zurück zum gestrigen Restaurant, da Rene seine Sonnenbrille dort vergessen hatte. Der Weg dorthin war am Vormittag ganz anders als noch am Abend davor. Die Gassen waren quasi leer im Vergleich zum Abend davor. Wir konnten uns entspannt und frei über den Marktplatz bewegen – das volle Kontrast und eine nette „Abwechslung“. Zwischendurch haben wir auch mal einen Laden mit typisch marokkanischem Einrichtungsgegenständen besucht. Von außen wirkte er winzig, aber von innen war er wirklich riesig – mit unzähligen teils historischen Artikeln.

Am Lahdim Square vorbei, ging es mit kurzem Zwischenstopp beim LKW (dort war alles in Ordnung) durch enge Gassen und Straßen weiter zum Bassin Souani, einem großen Wasserbecken.






Wir erreichten am Nachmittag das Riad mit vielen neuen Eindrücken. Nachdem wir einen Kaffee auf der Dachterrasse getrunken hatten, begann das Entspannungsprogramm für Christian und mich. Um das volle Hotelprogramm auszunutzen, haben wir uns zwei Ganzkörpermassagen gebucht. Da das Hotel eigens über einen Hamam-Bereich verfügt, erhofften wir uns von Kopf bis Fuß mal alle Verspannungen gelöst zu bekommen. Während Christian ölig glänzend nach seinen 50 Minuten zurück aufs Zimmer kam, grinste er nur und meinte: „Ich sage jetzt erstmal nichts dazu…“ – da schwante mir schon nichts Gutes. Als ich an der Reihe war, wusste ich was er meinte. Eine Frau, welche uns eine Stunde vorher noch den Kaffee brachte, stand nun vor einer Massageliege und wollte mich massieren. So weit so gut, sagt ja keiner, dass sie nicht auch beides kann. 😉 Der Raum war super kalt, das Telefon der Dame klingelte andauernd und auch so machte sie einen sehr amateurhaften Eindruck. Ich erspare euch jetzt mal die Details aber so viel zum Fazit: es waren schöne 50 Minuten Zeit für sich selbst, in denen man semiprofessionell von oben bis unten befummelt wurde. Massieren würde ich es nicht nennen, streicheln wäre zu seicht aber irgendwas dazwischen war es… naja, wir waren um eine Erfahrung reicher. Nach der Fummelei war es Zeit zum Abendessen und wir besuchten das Restaurant Aicha. Auch das war wieder ein Volltreffer. Nach 10 Minuten Spaziergang durch enge Gassen, vorbei an zahlreichen kleinen Kioske und Läden, kamen wir im Restaurant an. In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre speisten wir Couscous sowie Tajinen und ließen uns kulinarisch verwöhnen. Ein guter Abschluss für unseren Besuch in Meknes!!